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Erasmus Vilnius 3 – Regen, Schwulenclub und Whiskey-Burrito / Rain, gay club and whiskey burrito

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Ich habe zwei Anoraks dabei, der Dünnere hängt noch zum Trocknen am Schrank. Die Hose liegt föhnbereit neben mir. Der Anorak war noch nie so bis auf die innerste Daune durchnässt. Es passierte am Montag, meinem ersten vollen Tag in Vilnius. Mit meiner Mitbewohnerin fuhr ich zum Saulėtekio-Wohnheim, das weiter außerhalb liegt und wie das dritte Wohnheim einen schlechteren Ruf als das Olandu dormitory hat. Wir nahmen ein Bolt-Car, für das es eine App gibt und das günstiger als ein Taxi ist. Es kostete 7,50€.

Am Saulėtekio dormitory trafen wir eine Freundin meiner Mitbewohnerin und gingen mit drei weiteren Erasmusstudentinnen in einem Imbissrestaurant namens „Jammi“ essen. Ich bestellte einen großen Burrito.
„Which sauce?“, fragte die Angestellte.
„Which sauces do you have?“, fragte ich.
Die Angestellte zählte fünf Soßen auf, aber ich verstand mittendrin nur „spicy“ und wählte die letztgenannte Soße.
„Do you really want this?“, fragte die Angestellte.
Da hätte ich schon stutzig werden müssen, aber wie konnte ich ahnen …
„Yes.“
Der große Burrito kostete nur vier Euro. Ein paar Minuten später biss ich in ihn hinein. Er schmeckte seltsam, nach einer Art Desinfektionsmittel. Alkohol? Whiskey? Nicht gut. Aber ich hatte Hunger und kämpfte mich bis fast nach ganz unten. Willkommen im Osten. Soll ich jetzt jedes Mal, wenn ich etwas bestelle, sagen: „Without alcohol, please.“ Nachharken, wenn ich etwas nicht verstanden habe, reicht vermutlich.

Später musste ich über eine Stunde zurücklaufen. Die anderen sind noch etwas trinken gegangen, aber mein größter Wunsch an dem Tag war ein Wasserkocher und ich wollte nicht wie am Vortag (Sonntag) den Ladenschluss um 22 Uhr verpassen (hier haben die Geschäfte auch sonntags geöffnet). Ein Busticket hatte ich noch nicht, ebenso wenig die Bolt-App (am nächsten Tag kaufte ich mir ein Monatsticket für Studenten für nur 5,80€).
Nach einer Viertelstunde begann es zu schütten und die eine Stunde dauerte gefühlt so lang. Ein vorbeifahrender Bus schleuderte mir eine Pfütze auf die Hose. Ich habe gelernt, wenn es gerade Rot wird, nicht mehr über die Ampel zu gehen; in dem Moment springt die Ampel der Autos auf Grün. Die Fußgängerampel blinkt zum Glück vorher.
Als ich auf Höhe des Wohnheims war, musste ich weiter zum Einkaufen, aber das war es mir wert. Und es lohnte sich, an der Kasse wurde ich von anderen Bewohnern angesprochen und habe wieder ein paar neue Leute kennengelernt. Das ist so schön an diesem Wohnheim: Die vielen netten Leute, aufgeschlossen in der Not und von Natur aus.
Innerhalb von drei Tagen habe ich Menschen aus Spanien, Italien, Frankreich, Finnland, Russland, der Slowakei, den Niederlanden, Taiwan, Japan, den USA, dem Sudan, Aserbaidschan, Georgien, Portugal, Ungarn, der Türkei und anderen Ländern kennengelernt, die ich vergessen oder noch nicht erfahren habe. Ein bisschen fühlt es sich wie eine Weltreise an.

Ich träume davon, mit ihnen Gerichte aus aller Herren Länder zu kochen. Gestern bestellte ich mir in der City einen Griechischen Salat, der 9,90€ kostete, aber kaum mehr als fünf Tomaten-, sechs Gurken- und zwei Zwiebelscheiben und vier Oliven enthielt. Heute habe ich mir mit meiner neuen Bratpfanne zum ersten Mal etwas gekocht: Reis, Erbsen, Mais und Paprikastücke aus dem Tiefkühlfach. Ich war seit der Karaokeparty extrem hungrig.

Die Karaokeparty fand im Soho Nightclub statt, einem Schwulenclub, der mehrere Räume und Sofas umfasst und wo auf Monitoren Schwulenpornos laufen. Dicht an dicht quetschten wir uns in den Karaokeraum. Zuerst empfand ich Glück, wieder auf einer Party sein, den Rauch und die Musik noch einmal erleben zu dürfen, zugleich war mir aber auch unwohl angesichts der Anzahl der Menschen. Wir hatten unsere Impfzertifikate vorzeigen müssen, aber ich bin jetzt für Menschenmassen und die leichte Verbreitung von Viren sensibilisiert.
Zuerst wurden Songs wie „Dancing Queen“ und „Don’t stop me know“ gesungen, was ich genossen habe. Später entwickelte sich ein Battle zwischen den verschiedenen Nationalitäten; zwischen litauischen Schnulzen, türkischen Rapsongs und Helene Fischer. Ich war froh über die Sofas und ging um kurz vor eins mit einer anderen Deutschen. Sie kennenzulernen hat sich ein bisschen nach Heimat angefühlt. Wir liefen eine Dreiviertelstunde zurück, zum Schluss durch eine wunderschöne, lange Straße Užupis‘. Es wird Zeit, mir die Bolt-App herunterzuladen. Und darüber zu schreiben, wie schön Vilnius ist. Ich warte noch auf schönes Wetter für sonnige Fotos 😉

I have two anoraks with me, the thinner one is still hanging to dry on the wardrobe. The trousers lie next to me ready for the hairdryer. The anorak has never been soaked down to the innermost down. It happened on Monday, my first full day in Vilnius. With my roommate, I drove to Saulėtekio dormitory, which is further out and, like the third dormitory, has a worse reputation than Olandu dormitory. We took a Bolt Car, for which there is an app and which is cheaper than a taxi. It costed €7.50.

At Saulėtekio dormitory, we met a friend of my roommate and went to eat with three other Erasmus students at a snack restaurant called „Jammi“. I ordered a large burrito.
„Which sauce?“ the employee asked.
„Which sauces do you have?“, I asked.
The employee listed five sauces, but I only understood „spicy“ in the middle and chose the latter.
„Do you really want this?“ the employee asked.
I should have been suspicious, but how could I have known?
„Yes.“
The large burrito only cost four euros. A few minutes later, I took a bite. It tasted strange, like some kind of disinfectant. Alcohol? Whiskey? Not good. But I was hungry and fought my way almost to the bottom. Welcome to the East. Am I supposed to say, „Without alcohol, please.“ every time I order something now? Follow up if I didn’t understand something is probably enough.

Later I had to walk back for over an hour. The others went out for a drink, but my biggest wish that day was a kettle and I didn’t want to miss the closing time at 10pm like the day before (Sunday; shops are open here on Sundays too). I didn’t have a bus ticket yet, nor the Bolt app (the next day I bought a monthly student ticket for only €5.80).
After fifteen minutes it started to pour and the one hour felt so long. A passing bus flung a puddle on my trousers. I’ve learnt not to go through the traffic lights when it’s about to turn red; at that moment the cars‘ lights jump to green. Fortunately, the pedestrian lights flash beforehand.
When I was level with the dormitory, I had to go on to the supermarket, but it was worth it. And it was well rewarding, I was approached by other residents at the checkout and got to know a few new people again. That’s what’s so nice about this residence: the many nice people, open-minded in adversity and by nature.
Within three days I met people from Spain, Italy, France, Finland, Russia, Slovakia, the Netherlands, Taiwan, Japan, the USA, Sudan, Azerbaijan, Georgia, Portugal, Hungary, Turkey and other countries that I had forgotten or not yet experienced. It feels a bit like travelling the world.

I dream of cooking dishes from all over the world with them. Yesterday I ordered a Greek salad in the City that cost €9.90 but contained little more than five tomato slices, six cucumber slices, two onion slices and four olives. Today I cooked something for myself for the first time with my new frying pan: rice, peas, corn and pieces of pepper from the freezer. I’ve been extremely hungry since the karaoke party.

The karaoke party took place in the Soho Nightclub, a gay club that has several rooms and sofas, with gay porn playing on monitors. Close together we squeezed into the karaoke room. At first I felt happy to be at a party again, to experience the smoke and music once more, but at the same time I felt uneasy about the number of people. We had had to show our vaccination certificates, but I am now sensitised to crowds and the easy spread of viruses.
At first, songs like „Dancing Queen“ and „Don’t stop me know“ were sung, which I enjoyed. Later, a battle developed between the different nationalities; between Lithuanian crooners, Turkish rap songs and Helene Fischer. I was glad of the sofas and left at just before one with another German. Meeting her felt a bit like home. We walked back for three quarters of an hour, finishing through a beautiful long street of Užupis.  Time to download the Bolt app. And to write about how beautiful Vilnius is. I’m still waiting for nice weather for sunny photos 😉

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