Reisen,  Spanien

Reisetagebuch Andalusien

29.03.2026

In Sevilla gelandet, nehmen wir zuerst einen Bus für 6€ und dann die Metro für 70 Cent und sehen dabei viele Jugendliche in Anzügen oder Kleid – sie erinnern uns an die Serie „Elité“. Auch Erwachsene. Erst denken wir an einen Abschlussball, dann finden wir heraus: Es ist Palmsonntag, der Sonntag vor Ostern, an dem sich viele Spanier*innen chic kleiden und einen schönen Abend in der Stadt verbringen. Wir sind alles andere als vornehm angezogen. Wollen die Reise in Form von später aneinandergereihten Kurzvideos filmen.

30.03.2026

Am Canal de Alfonso XIII sagt L.: „Wie heißt eigentlich die weibliche Ente? Bestimmt auch Henne.“ (Google sagt Ente. Aber ich bin für Henne!)
Gerade ist ein Feuer in einem grünen Park am Ufer ausgebrochen, wenige Meter von der Stelle entfernt, wo wir gelegen haben. L. hat mithilfe einer Dolmetscherin die Feuerwehr gerufen, die immer noch nicht da ist. Stattdessen haben ein paar Männer im Park das Feuer gut in den Griff gekriegt.
„Die Eintreffzeiten sind echt mies hier“, sagt L., mein Feuerwehrmann.
Wir waren schon auf dem Plaza de España mit Mosaiken der spanischen Städte, auf dessen Wasseranlage Boote fahren. In palmenumsäumten Parks. Orangenbäume und Sternwarte erinnern mich an „Das Orangemädchen“ von Jostein Gaarder. Habe mir pinke Happy Socks mit Avocados mit Cowboyhüten gekauft. Kathedrale, Buchhandlung, Antiquariat, Herkulessäulen. Straßenmusiker, die „Guantanamera“ spielen.
Endlich kommen die Feuerwehrleute – und fahren vorbei! Aber es brennt nicht mehr.
Wir sehen zwei Personen mit weißen Gewändern und spitzzulaufenden Hüten. L. bekommt zuerst einen Schreck, aber ich habe sie schon in Madrid gesehen und weiß, sie haben nichts mit dem Ku-Klux-Klan zu tun, sondern sind Teil der Osterprozession, in die wir später geraten. Angeführt von einem Spielmannszug, folgt ein nicht enden wollender Zug schwarz gekleideter Zipfelmützen.
Im Park Maria Luisa sitzen wir auf einer Bank und lesen, immer wieder unterbrochen von dem wütenden Geschnatter eines Erpels, der einen anderen Erpel jagt. Eigentlich hat jeder der beiden eine Ente an seiner Seite, aber der eine überfällt die des anderen.
Schon am Flughafen sind mir mehrere junge Menschen mit Buch aufgefallen, offenbar ist Lesen wieder in. Ein sexy Accessoire. Noch sexyer als Lesen finde ich Schreiben.
Ich lese gerade „Das Lied des Achill“, das wunderbar zum Klima passt. Achills Lippen treffen mit denen seines Gefährten Patroklos „aufeinander, wie dicke Hummeln“. Seitdem sage ich „Hummeln“, wenn wir uns küssen. Neue Idee für Blog-Namen: „Achillesverse“ – aber den nutzte Bodo Wartke schon.
L. hat den Kühlschrank von Eis befreit, sodass er wieder geschlossen werden kann und wir Joghurt und meinen spanischen Lieblingsweichkäse kühl lagern können; er hat sich dabei verletzt und geblutet, aber hatte Pflaster im Portemonnaie.

31.03.2026

Unser Mietwagen ist ein weißer Van. Nach 1,5 Stunden Fahrt erreichen wir den ersten Zwischenstopp: Das Castillo de Almódovar del Rio. Wir erfahren erst dort, dass die wiederaufgebaute Burg ein Drehort von „Game of Thrones“ war und gehen genau dort entlang, wo Jaime Lennister vor uns langlief. Wir pflücken eine Olive, aus der kirschroter Saft quillt, noch nicht reif. Im Kerker liegen Skelette – bestimmt Attrappen.
Unser nächstes Ziel ist Córdoba, eine Tourist*innenhölle mit einer riesigen Moschee-Kathedrale. Ein Ort für zwei Religionsgemeinschaften.

Es ist 16:00. Wir haben zwei Stunden, bevor die Rezeption in Pinos Puente schließt, und vor uns immer wieder LKWs, u.a. von Schmitz Cargobull. Es ist eine Fahrt ohne Wasser und Essen. Die Landschaft ist hügelig bis bergig, auf einem Bergkamm in der Ferne liegt Schnee. Um 18:00 verpassen wir auch noch die Ausfahrt und kommen eine Viertelstunde zu spät an. Am Tresen des Restaurants bekommen wir dennoch die Karte für unser Zimmer und können einchecken.
Zuerst fahren wir zum Supermarkt, um Wasser und Snacks zu holen. Dann zu zwei Restaurants, die laut Google geöffnet, in echt aber geschlossen sind, und wieder zum Mercadona, der mit einem reichhaltigen Angebot (Spaghetti Carbonara, Bolognese etc.), Mikrowellen, Plastikbesteck und einer Restaurantecke ausgestattet ist. So haben wir ein günstiges Abendessen (ein echter Geheimtipp, zumal es Mercadonas mit Küchenecken überall in Andalusien gibt, wie sich herausstellen wird!). Außerdem finden wir in den großen Supermärkten immer eine Toilette, was man von anderen Orten nicht behaupten kann.

01.04.2026

Heute fahren wir mit dem Bus für 1,90€ nach Granada, an einem wunderschönen Birkenwald vorbei, das Gras darin saftig grün. Auch in Granada gibt es Orangenbäume, Schulen, die Uni, arabische Schriftzüge und Cafés, um Tage in der Sonne beginnen zu lassen. Tapas-Bar an Tapas-Bar in der Altstadt – und Tourist*innen über Tourist*innen auf dem Weg zu einem Aussichtspunkt, wo zwei Männer Gitarre spielen und von wo aus man die Alhambra (Burg) auf dem benachbarten Hügel vor den schneebedeckten Bergen sehen kann, umgeben von Palmen und Kirschblüten.
In einem Buchladen mit einem Raum für Lesungen sehe ich ein Buch mit dem Titel „Poems de Chile“ – der letzte Buchstabe ist jedoch verdeckt und ich interpretiere „Poems de Chili“, Gedichte aus Chilli. Da kommt mir die Idee für einen Gedichtzyklus: Fünf Gedichte in den verschiedenen Geschmacksrichtungen scharf, süß, sauer, bitter und salzig zu schreiben.
Auf einer schattigen Bank trinken wir entspannt eine Cola aus dem Kiosk. Davon muss ich wieder – und finde keine Toilette auf dem Campus. Der Campus ist wie auch in Sevilla umzäunt – nicht offen wie Unigebäude in anderen Ländern.
Ein Park liegt direkt an der Autobahn – mit einer kleinen Grasfläche. Da wollen wir nicht liegen. Lieber auf dem Campus.
Auf einem Platz steht ein Karussell mit Holzfiguren, das von einem Mann mit einem Fahrrad angetrieben wird. Ein Kaufhaus ist dabei, ein Lost-Place zu werden mit so vielen geschlossenen Läden und Kinderattraktionen, z.B. einer Trampolin-Halle. Nur Burger King hat geöffnet.
Durch den Fluss fließt nur noch ein schmaler Streifen Wasser, zu 95% ausgetrocknet – am Anleger legt kein Schiff mehr an und im Sommer ist das Wasser mit Sicherheit verdunstet, bevor es in Granada ankommt. Der Klimawandel macht es zu einer Stadt ohne Fluss, in der den Brücken nur noch eine historische Bedeutung zukommt.
In einem Vintage-Laden kaufe ich mir ein buntes T-Shirt, in dem ich aussehe wie eine U-Bahn-Zeichnung von Keith Haring.

Der Bus bringt uns wieder zurück bis an die Haustür unseres Hotels. In das Gebäude muss einmal viel Geld geflossen sein mit den stuckverzierten Wänden, goldenen Türklinken und der Inneneinrichtung aus Holz. Jetzt ist der Preis verhältnismäßig günstig. Im Zimmer ist es kühl und wir blicken durch das Fenster tagsüber auf eine Burg auf einem Hügel und nachts auf eine zirkuszeltartig zusammenlaufende Lichterkette. Der Flur zu unserem Zimmer ist lang und finster. Wir erwischen oft Hotels aus früheren, scheinbar goldenen Zeiten.
Im Supermarkt decken wir uns mit nicht zu kühlenden Konserven, Gebäck und Bananen für die nächsten zwei Tage ein. Morgen ist der Supermarkt geschlossen und übermorgen Karfreitag. Heute gibt es Paella aus der Mercadona-Mikrowelle. All you can eat!
Wir stellen uns vor, wir wären ein verstecktes Ermittler-Paar, potentielle Straftäter beobachtend.

02.04.2026

Bei den angenommenen „Birkenwäldern“ handelt es sich wahrscheinlich um Pappelhaine, die der Energiegewinnung durch Biomasse dienen.
Heute fahren wir nach Moclin und wandern die Ruta del Gollizno. Die Tankstellen hier bieten nur Service-Tanken an.
Moclin weist eine Burgruine auf einem Felsen auf. Wir wandern vier Stunden, meist bergab durch die grüne, felsige Landschaft in Richtung des schneebedeckten Bergkamms. Diese Strecke ist Teil des Jakobwegs. Abwechselnd träume ich mich in eine längere Tour und in den Yosemite-Nationalpark, in dem ich noch nie war.

Nach einer Stunde kommen wir am Fuß des Berges an. Eine Gruppe kommt uns entgegen und warnt, dass die Brücke bei den Überschwemmungen eingestürzt sei. Wir laufen trotzdem den reißenden Strom entlang, bis wir zu dem Brückenpfeiler kommen; die dazugehörige Brücke ist tatsächlich nicht mehr da. Wir beschließen, eine Überquerung wenigstens zu versuchen. An einer scheinbar ruhigen Stelle ziehe ich die Jeans aus und lasse die Beine über einen Stein ins Wasser gleiten, ohne den Grund zu erreichen. Die Tiefe ist nicht einsehbar. Ich stemme mich wieder hoch.
Währenddessen beobachten wir ein anderes Paar, das über Steine und Holz an einer Stromschnelle den Fluss überquert, und entscheiden, es ihnen gleichzutun. Jeder Tritt birgt ein Risiko – ich habe Angst, das Gleichgewicht zu verlieren oder auszurutschen – allein diese Stromschnelle wäre wahrscheinlich tödlich und wenn nicht diese, dann der nächste Wasserfall. Noch drei Steine, dann habe ich es geschafft, aber bis zum nächsten Stein reicht mein Schwung nicht, auch nicht mit L.s Hand. Ich muss auf den Ast, den L. vor mir nicht getestet hat – und habe Glück, dass das Holz nicht nachgibt. Ein weiterer Schritt und ich stehe wieder sicher.
Das Gefühl, wieder Festland unter den Füßen und es geschafft zu haben, ist berauschend. Ab jetzt kann ich die atemberaubende Natur doppelt genießen, die Wasserfälle und die Hängebrücke, die noch trägt. Der Aufstieg ist lang und anstrengend, aber teilweise beschattet und die Aussicht immer wieder belohnend. Jedes Mal, wenn uns eine andere Gruppe oder ein anderes Paar entgegenkommt, fragen sie nach der „Puente“ oder „Bridge“ und wir warnen sie. Nach 414 Höhenmetern bergauf endlich im Auto, fühlt sich mein Körper an wie früher nach dem Schwimmbad.

Zur Belohnung essen wir Burger im Restaurant eines weiteren Kaffs – wobei es genau diese ruhigen, untouristischen Orte sind, die ich im Urlaub am meisten genieße. Es ist das erste von vier Restaurants, das tatsächlich geöffnet hat, wie von Google vorhergesagt – die drei anderen haben zu.
Zurück in Pinos Puente spazieren wir zu der kleinen Brücke, um auch diese einzige Sehenswürdigkeit zum Abschied noch zu sehen. Der Fluss sieht aus wie der von unserer Wanderung heute. Ist es aber nicht.

03.04.2026

Wir fahren weiter, nach Malaga ans Meer. Am Hafen die nächste Tourist*innenhölle. Kreuzfahrtschiff, Yachten, Burg, Kathedrale, schöne, alte Gebäude, Fahrradwege, die Straßen oft beschattet, ein cooles T-Shirt-Geschäft, Straßenkünstler, einer mit Zeitungen eingekleistert, die Falafelrolle günstig, das Dixi-Klo eklig.

Dann zu unserer Unterkunft nach Benalmadena Costa direkt am Strand, Palmen und Wohnanlagen mit Pools, wie in „Dexter“, wie in Miami, unser Wintergarten zeigt zum Meer hinaus, das Wasser ist noch zu kalt zum Schwimmen, wir liegen im Sand, in der Ferne ein Riesenrad wie in L.A., in noch weiterer Ferne der schneebedeckte Bergkamm von der anderen Seite.
Holen uns ein Eis und legen uns auf die Wiese unserer Anlage in die bald hinter den Gebäuden verschwindende Sonne.
Schauen eine Orang-Utan-Doku, gedreht im indonesischen Regenwald, sehr traurig.

04.04.2026

Mit Blick auf das Meer aufwachen und frühstücken. Weiterfahren nach Gibraltar. Teekesselchen: Was ist ein Sport und zugleich auf dem Globus zu finden? Die Auflösung folgt unten.
Der Felsen von Gibraltar erhebt sich in der Ferne über dem Meer. In das britische Gebiet kommen wir mit unseren Persos rein. Die Ampel am Flughafen steht auf Grün – wir überqueren die Start- und Landebahn. Schüsse werden abgefeuert, Vögel vertrieben. Wind bläst fast meine Klappe weg. Gibraltar ist Großbritannien im Süden mit Pubs, Fish and Chips und einer Kirche im britischen Baustil. Hähne laufen frei herum und wenige Hühner. Warum haben diese Hennen vom Hahnentritt keine kahlen Stellen?
Wir steigen unzählige Stufen hinauf und nutzen dann einen in OpenStreetMap eingezeichneten Schleichweg – purer Urwald, steinig, mehr klettern als gehen.
Der Eintritt auf den Felsen von Gibraltar kostet 30 Pfund. Schon nach wenigen Schritten sehen wir die ersten Berberaffen. Ein Junges springt über die Schulter eines Mädchens, das sich am Geländer eines Aussichtspunktes abstützt. Die Affen geben tolle Fotomotive ab und spekulieren im Gegenzug auf Essbares. Die Queen habe 1954 mit ihnen Freundschaft geschlossen, sagt ein Schild.

Die Seilbahn fährt aufgrund starken Windes nicht, aber der Felsen schützt die Stadt, die im Windschatten liegt.
Der Aufstieg ist hart. Es geht über eine Hängebrücke und durch eine tiefe Tropfsteinhöhle, von der früher angenommen wurde, dass sie Europa mit Afrika verbindet – als Erklärung dafür, dass die Berberaffen über das Meer hierhergekommen sind.
In der Ferne ist der afrikanische Kontinent zu sehen. Die Affen sitzen geschützt auf der Spitze des Felsen, rangeln, springen von Baum zu Baum oder liegen auf der Straße und lausen sich gegenseitig, wie in Studien über Altruismus. In Taxis werden Menschen hochgekarrt, die nicht hochlaufen, aus welchen Gründen auch immer. Oben reihen sich die Autos aneinander. Hier sitzen auch wieder viele Affen, klauen Chips und Oreos und öffnen die Plastiktüten gekonnt. Obwohl es verboten ist, die Tiere zu füttern, tun es manche doch, die nichts gelernt haben. Ein Mann fasst einem Affen an den Kopf und der Affe schlägt zurück. Ungeheuerlich! Der Mann.

Für Ostersonntag kaufen wir groß bei Lidl ein. Google Maps zeigt das falsche Ziel an, bis wir bemerken, dass wir die Einkäufe umsonst in die Innenstadt von Tarifa geschleppt, nachdem wir dort vergebens einen Parkplatz gesucht haben.
Unsere Unterkunft liegt außerhalb der Stadt, ländlich, fünf Gehminuten vom Strand entfernt, inmitten saftiger Wiesen. Da gibt es Hühner. Eine Henne hat gerade Küken. Die Hausherrin ist ein bisschen wie meine Oma: Sie weist darauf hin, dass meine Haare vom Wind durcheinandergewirbelt wurden.
Wir schauen eine Hühner-Doku, die in Gärten mit Hackklotz gedreht wurde, schrecklich.

Die Auflösung des oben genannten Teekesselchens ist „Golf“. L. hat es mit Zuhilfenahme eines Online-Globus erraten.

05.04.2026

Ostersonntag, zum Strand. Windstärke 6. Auf dem Wasser sind Schaukronen zu sehen. Der Sand peitscht schmerzhaft gegen unsere Waden. Laut Wegweiser 15 Kilometer bis Afrika – wir sehen die Berge an Afrikas Küste. Der Sandstrand ist weit. In der Ferne der Leuchtturm von Tarifa, der südlichste Punkt der iberischen Halbinsel, links von uns. Rechts von uns der erste Schirm eines Kitesurfers. Als noch mehr auftauchen, waten wir durch einen reißenden Fluss, der ins Meer mündet. Meine Hose wird dabei nass, trocknet im Wind aber schnell. Wir beobachten die Kitesurfschüler*innen beim Groundhandling und bei den ersten Surfversuchen. Weiter weg jagt ein Kitesurfer über die Wellen und macht, hoch in die Luft segelnd, Kunststücke. Wir bleiben, bis uns im Wind zu kalt wird. Und finden dann noch mal auf einem Brückensteg Rast, wo der Sand uns nicht mehr in Schuhe, Hosentaschen und Augen fliegt und wir eine herrliche Aussicht auf die grünen Hügel haben.

Wie froh wir gestern waren, als wir nach dem Innenstadt-Stress hierher ins Grüne gekommen sind. Immer wieder schauen wir bei den Küken der Henne vorbei.

Nach dem Mittagessen (Pasta mit Oliven) fahren wir noch einmal nach Tarifa. Die Menschen sitzen in Cafés und feiern Ostern draußen. Ein Mädchen ist mit einer alten Frau und Kuchen unterwegs. Abuela, sagt es. Oma.
An der Insel des südlichsten Punkts nutzen Kitesurfer die sich brechenden Wellen. Die hier sind Profis. Sie fliegen hoch in die Luft und machen halsbrecherisch Kunststücke. Der Wind ist heftig, er schubst mit der Stärke eines Grundschulkinds, besonders stark auf dem Steg, der zur Insel führt. Darauf werden wir nass von den peitschenden Wellen. Die Insel ist abgesperrt – zum südlichsten Punkt kommt man nur mit Tour. Wir setzen uns in den Windschatten auf die Felsen zum Meer und beobachten die Kitesurfer von dort. Zwei Schnorchler schwimmen in grauen Anzügen vorbei – gut getarnt, im ersten Moment hatte ich sie für Delfine gehalten. Hier werden auch Wal- und Delfin-Touren angeboten.
Der Schirm eines Kitesurfers schlägt auf dem Wasser auf. Ein anderer Surfer versucht zu helfen und den Schirm wieder hochzuziehen, aber er ist kaputt. Der helfende Surfer nimmt den Schirm mit zum Strand, während der verunglückte Surfer schwimmen muss. Zuerst krault er, dann schwimmt er Brust – so weit, bis zum Strand.
Der Rettungswagen steht an der Straße längst bereit.
In der Stadt essen wir noch ein Eis. Danach fahren wir noch etwas durch die grüne Landschaft, das Münsterland Andalusiens, mit Pferden, Stieren, Hühnern und einer Mischung aus Reiher und Brieftaube.

06.04.2018

Park & Ride und mit dem Zug nach Cádiz. Coole Kathedrale, coole T-Shirt-Shops. Stadt auf einer eigenen Insel, wie Manhattan. Könnte auch Kuba sein.

Drei Nächte im nächsten Hotel in der gegenüberliegenden Küstenstadt Rota. Drei Gehminuten bis zum Meer. Abendspaziergang: Strand und Pinienwald, Geruch nach Regen. Aussicht auf Cádiz und die Brücke dorthin, wie über den Hudson zum Long-Island-Industriegebiet gespannt.

07.04.2016

Bewölkt tut gut nach so vielen Sonnentagen. Heute gehen wir in Jerez de la Frontera in den Zoo, sehen uns die Burg und Kathedrale der Stadt an und kehren in ein uriges Café ein, wo wir Milchkaffee trinken und Strawberry Cheesecake essen.

08.04.2016

Am nächsten Tag fahren wir zum zweiten Mal zum Fähranleger zum Parque Nacional de Doñana, man kommt nur mit der Fähre über den Fluss. Gestern sind wir wieder weg, weil plötzlich Regen mit Gewitter angesagt war und nun sagt uns der Fährmann, der Park sei heute verboten. Statt uns fahren mehrere Geländewagen und Personen mit der Fähre – wahrscheinlich ein Suchtrupp und im Nationalpark ist etwas passiert. Wir fahren in den Pinienwald „Pinar de la Colonia Monte Algaida“, wo wir mehrere Ameisenstraßen finden, die wir bis zum Loch der Königin verfolgen. Zwei Stunden wandern wir dort. Gehen danach wieder bei Mercadona essen und für eine ausgedehnte Pause ins Hotel. Ein Abendspaziergang mit Strand, Pinienwald und Blick von außen in den Botanischen Garten sowie von einer Tribüne aus aufs Fußballtraining von Teenagern ist später noch drin, bevor wir wie die letzten zwei Abende eine Folge mit dem Besten aus 40 Jahren „Verstehen Sie Spaß?“ sehen.

Die Bettdecken hier sind in bisher fast allen Unterkünften eine Herausforderung – oft mehrere Schichten aus Laken, Woll-, Tages- oder Daunendecken. Will nicht wissen, wie viele schon vor mir aus Versehen Nase oder Füße hineingesteckt haben!

09.04.2026

Wir bringen den Van zurück. Auf den letzten Fahrten haben wir die TeleKaddi-Folge über „Der Zauberer von Oz-Best“ und das Hörbuch „Stamped – Rassismus und Anti-Rassismus in Amerika“ gehört.
Der Autoverleih macht von 13 bis 16 Uhr Siesta, was wir nicht wissen. Wir bringen die Zeit in einer Kebab-Bude rum. Danach fahren wir zu Sevillas modernstem Wahrzeichen: „Las Setas“ – die Pilze wurden von einem deutschen Architekten entworfen und sehen mehr aus wie Waben als Pilze. Waben, die großflächig Schatten spenden. Darunter ist es schön kühl; die ganze Stadt wurde so angelegt, dass immer eine Brise weht. Ein wunderschöner Platz mit Bänken, Bäumen und Sicht auf eine imposante Kirche.

10.04.2026

Am nächsten Morgen geht der Wecker um 07:40. Kurz darauf ertönt der Feueralarm – und geht zum Glück kurze Zeit später wieder aus. Das Bolt-Car sagt ab, als wir zur vereinbarten Zeit schon draußen stehen. Stattdessen bringt uns ein Taxi für 26€ zum Flughafen. Hinterher versuchen wir den Song herauszufinden, der zuerst lief, vor „The Troubles“ von U2 und Lykke Li.
Neue äußere Welten schaffen Platz für neue innere Welten. In den letzten Tagen habe ich noch drei richtig gute Bücher gelesen, die ich meiner virtuellen Buchhandlung hinzufüge: „Answers in the Pages“, „Melissa“ und „The Girls“.

2 Kommentare

Kommentar verfassen