Reisen

Erasmus Vilnius 29: Nach Lappland, Nordlichter sehen / To Lapland, see the Northern Lights

Von Dienstag auf Mittwoch Nacht bin ich von einer wunderbaren Reise zurückgekommen. Als Kind habe ich „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ geliebt. Nils Holgersson fliegt mit den Gänsen davon, und zwar nach Lappland, weit in den Norden. Das Introlied der Serie und Lappland wurden zu einem nostalgischen Traum. Der ESN-Trip „Adventure to Northern Lapland, Saariselkä (Tue, 30.11.2021 – Wed, 08.12.2021)“ hat ihn wahrgemacht. Mit der Nils-Holgersson-Melodie im Ohr bin ich nach Lappland gereist, zwar mit keiner Wildgans, aber ganz wild.
/
From Tuesday to Wednesday night I returned from a wonderful trip. As a child, I loved „The Wonderful Journey of Little Nils Holgersson with the Wild Geese“. Nils Holgersson flies off with the geese, and he flies off to Lapland, far to the north. The intro song of the series and Lapland became a nostalgic dream. The ESN trip „Adventure to Northern Lapland, Saariselkä (Tue, 30.11.2021 – Wed, 08.12.2021)“ made it come true. With the Nils Holgersson melody in my ears, I travelled to Lapland, not with a wild goose, but quite wild.

Mittwoch / Wednesday, 01.12.2021: Tallinn

Auf der Fähre von Tallinn nach Helsinki. Eine Band spielt. Die Frage, ob estnischer oder finnischer Gesang. Das Schiff schaukelt.
Gestern fuhr der Bus in Vilnius um 23:30 Uhr ab. Ich war um kurz nach 23 Uhr am Parkplatz bei der St. Peter und Paulkirche angekommen, den Koffer durch stellenweisen Schnee ziehend. Es war noch niemand da. Kurz war ich besorgt. Dann fuhr ein Bolt-Car auf den Parkplatz. Eine junge Frau stieg aus und kam auf mich zu. Ob das die St. Peter und Paulkirche sei, fragte sie mich unsicher. Ob sie auch nach Lappland wolle, fragte ich. Zum Glück wollte sie das. Sie sei Samantha, eine Erasmusstudentin aus Italien. Ein weihnachtlicher Vorname.
Es kamen noch drei oder vier weitere Leute und mein Erasmusbuddy, der mich schon vorher gefragt hatte, ob wir im Bus nebeneinandersäßen. Dann kam der Bus. Der Busfahrer stieg aus – es war der Fahrer vom „Pirates of the Baltic Sea“-Trip! Nein, war mein erster Gedanke. Der zweite, dass ich ihm mit jeder Fahrt, auf der ich nicht umkam, ein bisschen mehr vertrauen konnte.
Im Bus saßen schon ein paar Leute aus Kaunas. Ich stellte den Sitz weit zurück, mir war kalt an den Füßen und Schienbeinen. Ich weiß nicht, ob ich geschlafen habe. Als in Riga noch ein paar zustiegen, habe ich nur geblinzelt und wenige kurze Blicke auf goldene Gebäude erhascht. Wir kamen gegen 10 Uhr in Tallinn an, wo uns sechs Stunden zur Verfügung standen. Samantha und ich folgten der Gruppe der Walking Tour, die wir nicht gebucht hatten, in die Altstadt.
/
On the ferry from Tallinn to Helsinki. A band is playing. The question whether Estonian or Finnish singing. The ship rocks.
Yesterday the bus left Vilnius at 11:30 pm. I arrived at the car park at St. Peter and Paul’s Church shortly after 11 pm, dragging my suitcase through snow in places. No one was there yet. I was worried for a moment. Then a Bolt car pulled into the car park. A young woman got out and came towards me. Was this St. Peter and Paul’s Church, she asked me uncertainly. Did she also want to go to Lapland, I asked. Fortunately, she was. She was Samantha, an Erasmus student from Italy. A Christmassy first name.
Three or four more people arrived and my Erasmus buddy, who had asked me before if we would sit next to each other on the bus. Then the bus came. The bus driver got off – it was the driver from the „Pirates of the Baltic Sea“ trip! No, was my first thought. The second, that I could trust him a little more with every trip on which I didn’t get killed.
There were already a few people from Kaunas on the bus. I put the seat far back, my feet and shins were cold. I don’t know if I was asleep. When a few more got on in Riga, I only blinked and caught a few brief glimpses of golden buildings. We arrived in Tallinn around 10am, where we had six hours. Samantha and I followed the walking tour group, which we had not booked, into the Old Town.

Mittelalterliche Stadtmauern, dahinter die Altstadt. / Medieval city walls, behind them the old town.

In Tallinn fahren Straßenbahnen anstatt Trolleybusse. Es ist an die fünf Grad kälter als in Vilnius und das deutlich spürbar. Es lag weniger matschiger, als pulvriger Schnee. Die Altstadt ragte über die mittelalterlichen Stadtmauern hinaus. Lichterketten hingen über ihren Straßen.
/
In Tallinn, trams run instead of trolley buses. It is about five degrees colder than in Vilnius and that is clearly noticeable. It was less slushy than powdery snow. The old town towered above the medieval city walls. Fairy lights hung over its streets.

Wir liefen durch ein Tor aus zwei Türmen in die Altstadt, über Pflastersteine. Schön sahen die Gebäude aus, was ich immer wieder bemerkte. Wir gingen in die Chocolaterie „Pierre“ mit Trödelladen-Einrichtung, sehr gemütlich.
/
We walked through a gate of two towers into the old town, over cobblestones. Beautiful the buildings looked, I kept noticing. We went to the chocolaterie „Pierre“ with junk shop interior, very cosy.

Die heiße Schokolade war teuer, aber nichts Besonderes. Dafür war die Chocolaterie an einem sehr schönen Innenhof gelegen, auf den wir vom Fensterplatz hinausschauten.
/
The hot chocolate was expensive, but nothing special. On the other hand, the chocolaterie was located in a very beautiful courtyard, which we looked out onto from our window seat.

Nach der frühen Rast ging es weiter durch die Altstadt. Samantha war schon in Tallinn gewesen und konnte mir die schönste, russisch-orthodoxe Kirche zeigen.
/
After the early rest, we continued through the old town. Samantha had already been to Tallinn and was able to show me the most beautiful Russian Orthodox church.

Von dem Hügel, auf dem die Kirche lag, hatten wir einen schönen Blick auf die Stadtmauern.
/
From the hill where the church was located, we had a beautiful view of the city walls.

Im angrenzenden Park stand ein silberner Weihnachtsbaum.
/
A silver Christmas tree stood in the adjacent park.

Dezent hingen Lichterketten in dem ein oder anderen Baum. An einem Aussichtspunkt standen drei Voldemorts (die wirklich so heißen, wie Samantha von der Stadtführung wusste).
/
Discreetly, fairy lights hung in one tree or another. At one vantage point there were three Voldemorts (which is really their name, as Samantha knew from the city tour).

Eins, zwei … / One, two …
… und drei. / … and three.

An der Kirche, die wir dort im Vordergrund sahen, war eine Eisbahn aufgebaut, wo ein paar Menschen zu „Last Christmas“ Schlittschuh liefen.
/
At the church we saw there in the foreground, there was an ice rink set up where a few people were skating to „Last Christmas“.

An einer anderen Kirche mit einem schmalen Kirchturm fanden wir den Weihnachtsmarkt.
/
At another church with a narrow steeple we found the Christmas market.

Nicht nur in Vilnius gibt es also Caffeinen. Rechts ein schlechter Ort für eine Diät. / So it’s not just Vilnius that has caffeine. A bad place for a diet on the right.

Helle Holzbuden reihten sich im Kreis um einen imposanten Weihnachtsbaum, an dem weiße Rosen sowie unten Briefe und Gemälde (vielleicht Wunschzettel) von Kinderhand hingen. Verkauft wurde schöner (Weihnachts-)Schmuck und Stoff, der allerdings nicht ganz günstig war.
Ein grüner Drache mit Krone ragte als Feuerspeier aus grauem Gemäuer. Ein mittelalterlich gekleideter Mann winkte uns herbei. Wir gingen weiter, fanden einen Schmuckladen mit Bernstein. Bernstein wird auch in Vilnius viel verkauft. An den Markthallen steht in Tallinn „Turg“, in Vilnius „Turgus“, wobei Estnisch und Litauisch nicht viel gemein haben sollen (im Gegensatz zu Litauisch und Lettisch).
Zu Mittag aßen wir im Einkaufszentrum „Solaris“ im Restaurant „Lido“, das einer modernen Markthalle ähnelt. Es gibt ein großes Buffet, von dem Bedienstete das Gewünschte auf Teller schaufeln und ein Tablett stellen. Nicht teuer. Und gut. Man kann sich vor Aquarien setzen und winzigen Fischen zusehen, auch vor dem Fenster. Wir blickten aus einem Fenster ohne Auquarium auf ein schönes Stück der Stadt (wovon es viele gibt). Ruhigere, menschenleerere, gemütlichkalte Stadt.
/
Bright wooden stalls were lined up in a circle around an imposing Christmas tree on which white roses and letters and paintings (perhaps wish lists) from children’s hands hung. Beautiful (Christmas) ornaments and fabric were for sale, although they were not quite cheap.
A green dragon with a crown rose from the grey walls as a fire spout. A man dressed in medieval costume beckoned us. We walked on, found a jewellery shop with amber. Amber is also sold a lot in Vilnius. On the market halls in Tallinn it says „Turg“, in Vilnius „Turgus“, although Estonian and Lithuanian are not supposed to have much in common (unlike Lithuanian and Latvian).
We had lunch in the shopping centre „Solaris“ in the restaurant „Lido“, which resembles a modern market hall. There is a large buffet from which waiters scoop what you want onto plates and put it on a tray. Not expensive. And good. You can sit in front of aquariums and watch tiny fish, even outside the window. We looked out of a window without an auquarium onto a beautiful piece of the city (of which there are many). Quieter, more deserted, comfortably cold city.

Donnerstag / Thursday, 02.12.2021: Santa Claus Village

Über Nacht fuhren wir von Helsinki nach Lappland, Nordfinnland. Die erste Stunde hörte ich voll Vorfreude Road Trip Songs. Es war meine geheime Party. Ich brauche kein Discolicht, sondern Verkehrslichter, keine Hintern, sondern Hinterköpfe, rot, gelb und grün angestrahlte Haare. Der Schnee wurde mehr und mehr. Ab und zu meinte ich, in der Ferne schon Nordlichter zu sehen, aber dann war es nur ein blau leuchtendes Schild oder ein entgegenkommendes Auto mit Fernlicht. Es war ungemütlich. In dem neuen Bus konnte ich die Beine nicht ausstrecken. Die Knie taten weh. Anders als im litauischen Bus gab es aber USB-Anschlüsse – um den Handyakku musste ich mir keine Sorgen mehr machen. Ich schlief nicht, schon die zweite Nacht in Folge. Dafür sah ich ein nächtliches Winterwunderland, wunderschön. Gegen 10 Uhr war es noch dunkel.
Endlich erreichten wir Rovaniemi, die Hauptstadt Lapplands. In einem riesigen Supermarkt hatten wir eine gute Stunde Zeit, für die bevorstehende Woche einzukaufen. Ich füllte den Einkaufswagen mit Konserven, Obst, Pasta und Snacks, die ich auch in Deutschland gekauft hätte. Nur eine besondere Art verpackten Brots und krümeligen Frischkäses habe ich neu probiert.
/
Overnight we drove from Helsinki to Lapland, Northern Finland. For the first hour I listened to road trip songs in anticipation. It was my secret party. I don’t need disco lights, I need traffic lights, I don’t need butts, I need the backs of heads, hair lit up in red, yellow and green. The snow became more and more. Every now and then I thought I could already see northern lights in the distance, but then it was just a sign glowing blue or an oncoming car with high beams. It was uncomfortable. I couldn’t stretch my legs in the new bus. My knees hurt. Unlike the Lithuanian bus, however, there were USB ports – I no longer had to worry about the mobile phone battery. I didn’t sleep, for the second night in a row. Instead, I saw a winter wonderland at night, beautiful. Around 10 o’clock it was still dark.
Finally we reached Rovaniemi, the capital of Lapland. In a huge supermarket we had a good hour to shop for the week ahead. I filled the shopping trolley with tinned food, fruit, pasta and snacks that I would also have bought in Germany. Only a special kind of packaged bread and crumbly fresh cheese I tried new.

Nach zehn Minuten Weiterfahrt erreichten wir Santa Claus Village. Dort hatten wir bis 15 Uhr gut drei Stunden Zeit.
/
After a ten-minute drive, we reached Santa Claus Village. There we had a good three hours until 3 pm.

Zuerst ging ich in einen Souvenirshop, in dem man Santa Claus treffen konnte. Der Souvenirshop enthielt allerlei teuren Weihnachtsschmuck und andere weihnachtliche und läppische – äh – finnische Mitbringsel.
/
First I went to a souvenir shop where you could meet Santa Claus. The souvenir shop contained all kinds of expensive Christmas decorations and other Christmas and lappish – er – Finnish souvenirs.

Santa Claus saß hinter der nächsten Ecke. Neben ihm hing ein Fotoverbotsschild. Eine Glasscheibe trennte ihn von der Frau mit zwei kleinen Kindern. Sie schauten in eine Spiegelreflexkamera und sprachen höchstwahrscheinlich auf Finnisch miteinander. Die Kinder machten gläubigungläubige Gesichter. Wie hätte ich geguckt, wenn ich dem Weihnachtsmann begegnet wäre? Die gegenüberliegende Wand war mit Wunschzetteln tapeziert.
Mit ein paar anderen stapfte ich durch die verschneiten Anlagen der Ferienhütten. Wir fanden noch mehr Souvenirshops um einen hell erleuchteten Platz, auf dem ein Weihnachtsbaum prangte und Weihnachtsmusik lief.
/
Santa Claus was sitting behind the next corner. A no photography sign hung next to him. A pane of glass separated him from the woman with two small children. They were looking into a reflex camera and most likely speaking to each other in Finnish. The children made believing faces. How would I have looked if I had met Father Christmas? The opposite wall was papered with wish lists.
With a few others, I trudged through the snowy grounds of the holiday cabins. We found more souvenir shops around a brightly lit square with a Christmas tree emblazoned and Christmas music playing.

Und dann entdeckte ich die ersten Rentiere, die ich in meinem Leben gesehen habe. Sie zogen Schlitten mit Kindern. Eine Fahrt kostete 35€, so viel wie eine Fahrt im London Eye.
/
And then I discovered the first reindeer I had ever seen in my life. They were pulling sleighs with children. A ride cost 35€, as much as a ride on the London Eye.

Als gegen 14 Uhr die Dämmerung einsetzte, ließ ich den Rest des Tages mit Samantha in einem Restaurant mit Fish and Chips und einem anschließenden Kakao ausklingen.
/
As dusk fell around 2pm, I ended the rest of the day with Samantha in a restaurant with fish and chips followed by cocoa.

Wunschzettel. / Wish Lists.

Die Fahrt nach Saariselkä dauerte danach noch vier Stunden. Der Himmel über den Wolken erschien nordlichtergrünlich, aber vermutlich täuschte ich mich. Schließlich erreichten wir eine Tankstelle, wo unser Tourguide zustieg. Er sprach in ein Mikro und zeigte uns im Vorbeifahren die wichtigsten Orte: Bar, Supermarkt, Post, Wintersportverleihe, Beginn einer Wanderroute. Groß ist die Stadt nicht. Wir fuhren von Cottage zu Cottage. Das Kotka-Cottage, dem ich zugeteilt worden war, war das letzte. Es lag etwas abseits, gut 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, auf einem Hügel mit guter Aussicht.
/
The drive to Saariselkä took another four hours after that. The sky above the clouds appeared Northern Lights greenish, but I was probably wrong. Finally we reached a petrol station where our tour guide got on. He spoke into a mike and showed us the most important places as we drove by: Bar, supermarket, post office, winter sports rentals, start of a hiking route. The town is not big. We drove from cottage to cottage. The Kotka cottage I had been assigned to was the last one. It was a little out of the way, a good 20 minutes from the town centre, on a hill with a good view.

Uns sechs wurde ein einziger Schlüssel überreicht. Das erste, was wir innen ausmachten – und anmachten – war die Sauna. Sie lag hinter den Duschen. Wir stellten sie auf 90 Grad.
/
The six of us were handed a single key. The first thing we turned off – and on – inside was the sauna. It was behind the showers. We set it to 90 degrees.

Das nächste, was wir anmachten, war der Kamin, der Teil eines gemütlichen Wohnzimmers mit Küche war.
/
The next thing we turned on was the fireplace, which was part of a cosy living room with kitchen.

Dieses Foto ist am Morgen nach einer Party entstanden. / This photo was taken the morning after a party.

Wir zogen Hölzchen, wer wo schlief. Einer musste auf dem Sofa schlafen, vier in einem Doppelbett und einer hatte das Glück eines Einzelzimmers. Ich zog ein kürzeres und schlief zum ersten Mal mit jemand Wildfremdem in einem Doppelbett.
/
We drew straws as to who slept where. One had to sleep on the sofa, four in a double bed and one was lucky enough to have a single room. I drew a shorter one and for the first time slept in a double bed with someone who was a complete stranger.

Kotka-Cottage. / Kotka cottage.

Freitag / Friday, 03.12.2021: Arctic Ocean Tour

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker von fünf von uns um 6 Uhr. Um 6:45 Uhr sollten wir am Treffpunkt für die Arctic Ocean Tour sein. Es handelte sich um eine Extraaktivität, die man zum gesamten Trip (379€) für 59€ dazubuchen konnte. Es ging nach Bugøynes, Norwegen, ganz nach oben, ans Meer. Vier Stunden Fahrt. Ich war erstaunt, dass es schon um 8:30 heller wurde, nicht aufzuhören schien, heller, aber nicht hell zu werden. Diese Lichtverhältnisse, die weiten, weißen Flächen zugeschneiter Seen, die sanften Hügel, an denen der Himmel orange strahlte – wunderschön.
/
The next morning, the alarm clock of five of us rang at 6am. We were supposed to be at the meeting point for the Arctic Ocean Tour at 6:45. This was an extra activity that could be added to the whole trip (379€) for 59€. We were going to Bugøynes, Norway, to the very top, to the sea. Four hours drive. I was amazed that it was already getting lighter at 8:30, didn’t seem to stop getting lighter, but not bright. These light conditions, the wide white expanses of snow-covered lakes, the rolling hills where the sky glowed orange – beautiful.

Drei Rentiere sprangen über die Straße in den Wald. Nach drei Stunden erreichten wir die Grenze zu Norwegen. An dem Tag war eine neue Coronaregelung in Kraft getreten: Schnelltests für alle. Zum Glück saß in dem Grenzhäuschen ein Mann am Computer, der uns nicht abfing.
Den ersten Fotostopp machten wir an einem Wasserfall. Wir stapften durch den Tiefschnee, in dem meine Stiefel versanken.
/
Three reindeer jumped across the road into the forest. After three hours we reached the border with Norway. A new corona regulation had come into force that day: Rapid tests for everyone. Luckily, there was a man at the computer in the border hut who didn’t intercept us.
We made our first photo stop at a waterfall. We trudged through the deep snow, in which my boots sank.

Es war das erste Mal, dass ich Norwegen und damit nach Lettland, Estland, Finnland und Schweden das fünfte neue Land in meinem ersten Erasmussemester betrat. Hier herrschte Polarnacht. Das nächste Mal würde die Sonne sich erst wieder im Januar über den Horizont bequemen.
/
It was the first time I set foot in Norway, the fifth new country in my first Erasmus semester after Latvia, Estonia, Finland and Sweden. Here it was polar night. The next time the sun would rise above the horizon would be in January.

Wie in Finnland zogen auch hier vereinzelte, rote Holzhäuser vorbei. Wer einsam in der Natur leben möchte, scheint in diesen Ländern richtig. Die Landschaft veränderte sich. Aus bewachsenen Hügeln wurde schneebedecktes Gestein, Gebirge.
/
As in Finland, isolated red wooden houses passed by. If you want to live in solitude in nature, these countries seem to be the right place. The landscape changed. Overgrown hills became snow-covered rock, mountains.

Wir fuhren an einem Fjord vorbei. Kurz sah ich ihn. Kurz fotografierte ich ihn. Dann sprangen andere für Fotos an die Fenster und versperrten mir die Sicht.
/
We drove past a fjord. I saw it briefly. Briefly I photographed it. Then others jumped to the windows for photos and blocked my view.

Die Küste des norwegischen Festlandes ist etwa 29.000 Kilometer lang. Im Vergleich dazu liegt die Küstenlänge Chiles bei 6.435 Kilometern.
Wir befuhren den „Highway to Hell“, der nach Bugøynes führt. Ein liegengebliebener Bus stand am Straßenrand wie ein angespültes Geisterschiff. Der Busfahrer stieg aus, um zu sehen, ob die nächste Kurve zu glatt war. Er lief mitten auf der Straße. Das mögen die Einheimischen nicht, sagte unser Tourguide. Der Fahrer kam mit erhobenem Daumen zurück und es ging weiter. Da war das Meer, da die Sauna, die schon für uns aufgewärmt wurde, damit wir später in den Arktischen Ozean rennen konnten …
/
The coastline of the Norwegian mainland is about 29,000 kilometres long. In comparison, Chile’s coastline is 6,435 kilometres long.
We drove the „Highway to Hell“, which leads to Bugøynes. A broken-down bus stood at the side of the road like a washed-up ghost ship. The bus driver got out to see if the next bend was too slippery. He walked in the middle of the road. The locals don’t like that, our tour guide said. The driver came back with a thumbs up and we continued. There was the sea, there was the sauna, already warmed up for us to run into the Arctic Ocean later …

Mir war schon an der Luft zu kalt. Der zweite Fotostopp geschah an einem Felsen, den wir hochkletterten, um Bugøynes von oben zu sehen.
/
I was already too cold in the air. The second photo stop was at a rock, which we climbed to see Bugøynes from above.

Bugøynes.

Fünf Minuten später waren wir in der Stadt mit nicht mehr als 230 Einwohnern. Bugøynes wird auch Lille-Finland, kleines Finnland, genannt. Die Älteren können alle noch Finnisch und etwa die Hälfte der Jüngeren. Dies ist zwei Einwanderungswellen geschuldet: Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Finn*innen aus Armut und Hungersnot und in den Siebzigern vor allem finnische Frauen für Arbeit in den Fischfabriken.
Zuerst sahen wir rechter Hand den Friedhof. Darauf soll eine besondere Blume wachsen, erfuhren wir später. Jetzt wuchs dort nichts als Schnee. Der Bus bog um eine Kurve und hielt. Wir stiegen aus, ich schoss ein Foto.
/
Five minutes later we were in the town with no more than 230 inhabitants. Bugøynes is also called Lille-Finland, little Finland. The older ones all still know Finnish and about half of the younger ones. This is due to two waves of immigration: In the mid-19th century, Finn*s came from poverty and famine, and in the seventies, mainly Finnish women came for work in the fish factories.
First we saw the cemetery on the right. We learned later that a special flower grows there. Now there was nothing but snow growing there. The bus turned a corner and stopped. We got off and I took a photo.

In einem Fischbistro wartete unser Mittagessen. Eine Gitarre, ein Klavier, darauf ein kleiner Weihnachtsbaum. Die Tische waren gedeckt mit Wasserkrügen, Gläsern und Butterbroten.
/
Our lunch was waiting in a fish bistro. A guitar, a piano, a small Christmas tree on top. The tables were set with water jugs, glasses and sandwiches.

Der Gastwirt begrüßte uns. „Wenn es Fisch gibt, gehen bei der Frage nach Vegetariern immer ein paar Hände hoch“, sagte er. „Dass manche Menschen Fisch nicht mögen, kommt daher, dass sie als Kinder gezwungen wurden, schlechten Fisch zu essen. Guter Fisch schmeckt nach dem Ozean.“
Mit einer speziellen Abholtechnik hatten alle nach drei Minuten einen Teller Suppe mit gutem Fisch (oder trotz der Ansprache ohne). Ich genoss jeden Löffel, so einen Ozean bekomme ich nicht alle Tage. Wir durften uns so viel Suppe nachholen, wie wir wollten.
Im Laufe des zweiten Tellers begann der Gastwirt zu erzählen: Von der Geschichte der Stadt, wie er vor 40 Jahren selbst sein Paradies in dieser gefunden hatte (ursprünglich hatte er nur ein Jahr als Lehrer bleiben sollen, aber dann war sein Herz erobert worden), vom Gesundheitssystem, mit dem er sich auch an diesem Ende der Welt wohlfühle. Alle zwei Wochen komme eine Ärztin, bei etwas Akutem wie einem Herzinfarkt könne man den Notruf wählen, ein Helikopter komme dann und man könne innerhalb von vier bis fünf Stunden auf dem OP-Tisch liegen. Gebrannt habe es zuletzt 1991 und die Stadt aus Holz sei stolz, es geschafft zu haben, dass sich das Feuer nicht auf die umliegenden Häuser ausweitete und keine drei, vier, fünf Häuser zerstörte.
Besonders interessant fand ich, was der Gastwirt über die Kinder erzählte: Nach der Sekundarschule müssen sie mit fünfzehn, sechzehn Jahren in eine andere Stadt ziehen, um dort die Oberstufe zu besuchen. Bis dahin haben die Eltern Zeit, ihnen Werte zu vermitteln, Waschen und Kochen beizubringen. Dann mieten sie den Kindern ein Zimmer in der anderen Stadt und sehen sie nur noch am Wochenende. Natürlich ließ der Gastwirt in seinem Bericht auch die teure Norway King Crab nicht aus, die in Bugøynes geangelt und bis nach New York exportiert wird. Im Sommer ist es als Feriengast möglich, mit dem Boot eine Norway King Crab-Safari zu machen und dabei seine eigenen Riesenkrabben zu fangen.
Für uns sollte es nach Zimtplätzchen und Kaffee zur Sauna und ins eiskalte Meer gehen. Als wir das Bistro verließen, dämmerte es stark.
/
The innkeeper greeted us. „When there is fish, a few hands always go up when vegetarians are asked,“ he said. „The fact that some people don’t like fish is because they were forced to eat bad fish as children. Good fish tastes like the ocean.“
With a special pick-up technique, after three minutes everyone had a plate of soup with good fish (or without, despite the speech). I enjoyed every spoonful, I don’t get an ocean like that every day. We were allowed to make up as much soup as we wanted.
Over the course of the second plate, the innkeeper began to tell us: About the history of the city, how he himself had found his paradise in it 40 years ago (originally he had only been supposed to stay for a year as a teacher, but then his heart had been captured), about the health system, with which he felt comfortable even at this end of the world. A doctor comes every fortnight, and in case of something acute like a heart attack, you can dial the emergency number, a helicopter will come and you can be on the operating table within four to five hours. The last time there was a fire was in 1991 and the wooden town was proud that the fire did not spread to the surrounding houses and did not destroy three, four, five houses.
I found what the innkeeper said about the children particularly interesting: after secondary school, they have to move to another town at the age of fifteen or sixteen to attend senior high school. Until then, the parents have time to teach them values, washing and cooking. Then they rent the children a room in the other town and only see them on weekends. Of course, the innkeeper did not leave out the expensive Norway King Crab in his report, which is fished in Bugøynes and exported as far as New York. In summer it is possible as a holiday guest to go on a Norway King Crab safari by boat and catch your own giant crabs.
For us, after cinnamon biscuits and coffee, it was off to the sauna and the ice-cold sea. When we left the bistro, it was dawning heavily.

Der Bus brachte uns zurück zur Sauna, wo uns der Gastwirt einwies. Sein Neffe war auch dabei, kam aber nicht zu Wort. Die Sauna war nur ein paar Schritte vom Meer entfernt.
/
The bus took us back to the sauna, where the innkeeper showed us in. His nephew was also there, but didn’t get a chance to speak. The sauna was only a few steps away from the sea.

Der Gastwirt gab uns den Tipp, am Anfang erst in die Sauna und dann ins Meer und nach dem letzten Mal im Meer nicht zurück in die Sauna zu gehen. Zuerst erwarte uns ein Schock und es sei, als würde uns das Herz stehen bleiben; hoffentlich täte es das nicht. Ich dachte an den Helikopter und die vier bis fünf Stunden bis zum OP-Tisch. Danach würden wir wie Babys schlafen.
Es ging in die Umkleidekabinen. Alle hatten ihre Badesachen dabei, nur ich nicht, weil ich nicht geplant hatte, mit ins Wasser zu gehen. Jetzt aber steckte mich die Euphorie und das Adrenalin der anderen an. Ich zog mich bis auf die Unterwäsche aus. Nackt in die Sauna gehen kannten die anderen Nicht-Deutschen nicht. Die Saunakultur kommt ursprünglich aus Finnland, dort haben viele Haushalte eine private Sauna; öffentliche Saunas werden entweder bekleidet oder geschlechtergetrennt unbekleidet betreten. Hier verlinke ich auf zwei YouTube Videos einer Französin, die darüber berichtet, wie sie eine deutsche Sauna wahrgenommen hat, und wie es demgegenüber mit finnischen Saunas aussieht, falls es jemanden interessiert (meinen Horizont hat es erweitert – ich dachte immer, Nacktsein in der Sauna sei ein allgemeines Gesetz).
Als ich die Sauna betrat, wünschte ich fast, noch stärkere Geruchseinbußen zu haben. Der Geruch fünfzehn bereits schwitzender Körper schlug mir mit der Hitze entgegen. Ich gewöhnte mich daran, aber nicht an die Hitze. Nach zehn Minuten ging es raus an die kalte Luft. Mit Crocs liefen wir durch den Schnee hinunter ans Wasser. Die Kunst war dabei, nicht auszurutschen. Manche gingen tiefer hinein, ich nur bis zur Hälfte des Schienbeins, dann spürte ich Schock und Schmerz und hüpfte wieder heraus.
Zurück in die Sauna. Zehn Minuten. Dann noch ein Versuch. Es schneite. Diesmal schaffe ich es bis zu den Knien.
Beim nächsten Mal wollte ich es schaffen. Wieder zehn Minuten Sauna, wieder zum Meer, wieder hinein, diesmal nicht nachdenken. Ich ließ mich fallen, bevor ich die Kälte spüren konnte, noch nicht tief drinnen, aber liegend bis zum Hals. Es kam kein Schock, ich spürte nicht viel, sprang schnell wieder auf.
Ein viertes Mal ging es in die Sauna. Dort machte mich jemand darauf aufmerksam, dass ich am Knie blutete. Ich hatte es mir unbemerkt aufgeschürft. Noch einmal stürzte ich mich ins Wasser wie zuvor. Dann schickte uns der Tourguide zurück in die Umkleidekabinen. Alle hatten es ganz ins Wasser geschafft. Im Bus wurde uns ein finnischer Spielfilm darüber gezeigt, wie Santa Claus Santa Claus wurde, dabei schlief ich fast ein, tatsächlich relaxed wie ein Baby.
Ich genoss die langen Busfahrten an dem Tag. Als ich nach dem Film weniger schläfrig war, hörte ich meine Weihnachtsplaylist. Wir legten einen Zwischenstopp in Inari ein, wo wir einen weiteren teuren Souvenirladen besuchten und einer meiner Mitbewohner Rentierfleisch kaufte (er sagte später, es schmeckte ähnlich wie Rind, nur schärfer).
Der Tourguide sagte, dass die Chancen, am nächsten Tag beim Aurora Hunt Nordlichter zu sehen, 50/50 standen. Ich hielt die ganze Zeit nach welchen Ausschau. Es war stark bewölkt. Dann sah der Tourguide auf der Nordlichterapp Nordlichter in Saariselkä. Ich konnte gar nicht schnell genug zurück nach Saariselkä kommen. Als ich ausstieg, sah ich in den Himmel, aber nur Schneeflocken fallen.
Später, als ich es mir schon im Bett gemütlich gemacht hatte, klopfte meine Zimmergenossin an die Tür.
„Draußen sind Nordlichter!“, sagte sie.
Ich sprang sofort auf, schlüpfte in die Stiefel und stiefelte auf den Balkon. Jemand hatte das grüne Zicksack im Himmel beim Rauchen entdeckt. Ich war außer mir vor Begeisterung. Nordlichter! Ich sah Nordlichter. Bucket List Nummer eins war erfüllt. Aber noch lange nicht vorbei. Die Lichter verblassten, ich ging zurück ins Zimmer, bis wieder jemand rief: „Aurora, aurora!“
Meine Handykamera fing die Nordlichter nicht ein, andere Kameras dafür umso deutlicher (noch heller, als unsere menschlichen Augen es taten).
/
The innkeeper gave us the tip to go to the sauna first and then to the sea at the beginning and not to go back to the sauna after the last time in the sea. At first we were in for a shock and it was as if our hearts would stop; hopefully it wouldn’t. I thought about the helicopter and the four to five hours to the operating table. After that we would sleep like babies.
We went to the changing rooms. Everyone had their bathing suits with them, except me, because I hadn’t planned to go into the water with them. But now I was infected by the euphoria and adrenaline of the others. I stripped down to my underwear. The other non-Germans didn’t know how to go naked into the sauna. Sauna culture comes originally from Finland, where many households have a private sauna; public saunas are either entered clothed or unclothed, separated by gender. Here I link to two YouTube videos of a French woman talking about how she perceived a German sauna, and how Finnish saunas compare, in case anyone is interested (it broadened my horizons – I always thought being naked in the sauna was a general law).
When I entered the sauna, I almost wished I had even stronger smells. The smell of fifteen already sweating bodies hit me with the heat. I got used to it, but not to the heat. After ten minutes, it was out into the cold air. We wore Crocs and walked through the snow down to the water. The trick was not to slip. Some went in deeper, I only went halfway down my shin, then I felt shock and pain and hopped out again.
Back into the sauna. Ten minutes. Then another try. It snowed. This time I made it to my knees.
Next time I was going to make it. Another ten minutes in the sauna, back to the sea, back in, this time not thinking. I let myself fall before I could feel the cold, not yet deep inside, but lying down up to my neck. No shock came, I didn’t feel much, jumped up again quickly.
A fourth time we went to the sauna. There someone drew my attention to the fact that I was bleeding on my knee. I had scraped it unnoticed. Once again I threw myself into the water as before. Then the tour guide sent us back to the changing rooms. Everyone had made it all the way into the water. On the bus we were shown a Finnish feature film about how Santa Claus became Santa Claus, and I almost fell asleep, actually relaxed like a baby.
I enjoyed the long bus rides that day. When I was less sleepy after the film, I listened to my Christmas playlist. We made a stop in Inari, where we visited another expensive souvenir shop and one of my flatmates bought reindeer meat (he later said it tasted similar to beef, only spicier).
The tour guide said there was a 50/50 chance of seeing Northern Lights at the Aurora Hunt the next day. I kept a lookout for some all the time. It was very cloudy. Then the tour guide on the Northern Lights app saw Northern Lights in Saariselkä. I couldn’t get back to Saariselkä fast enough. When I got out, I looked up at the sky, but only snowflakes were falling.
Late, when I had already made myself comfortable in bed, my roommate knocked on the door.
„There are northern lights outside!“ she said.
I immediately jumped up, slipped on my boots and stomped out onto the balcony. Someone had spotted the green zigzag in the sky smoking. I was beside myself with excitement. Northern lights! I saw northern lights. Bucket list number one was fulfilled. But far from over. The lights faded, I went back to the room until someone shouted again, „Aurora, aurora!“
My phone camera didn’t catch the Northern Lights, but other cameras did (even brighter than our human eyes did).

Es war zauberhaft. Die Lichter erschienen am Himmel, manche begannen zu zirkulieren und neben grün (beim Treffen der Elektronen auf Sauerstoffmoleküle) erschienen sie manchmal auch lila (das war Stickstoff). Ich hatte nie daran geglaubt, dass die magischen Farben im Himmel in Weihnachtsfilmszenen, in denen der Weihnachtsmann mit dem Schlitten fliegt, in Wirklichkeit existieren könnten. Wir machten einen Spaziergang zum Aussichtspunkt, wo Nebel aufzog.
/
It was magical. The lights appeared in the sky, some began to circulate and besides green (when electrons hit oxygen molecules) they sometimes appeared purple (that was nitrogen). I had never believed that the magical colours in the sky in Christmas movie scenes where Santa flies in his sleigh could exist in reality. We took a walk to the viewpoint where fog was rolling in.

Samstag / Saturday, 04.12.2021: Rentierfarm & Aurora Hunt

Am Morgen machte ich allein einen Spaziergang. Der Himmel war rosa bis babyblau. Auch der Anblick, der sich mir bei Tageslicht bot, erschien mir wie aus einem animierten Weihnachtsfilm.
/
In the morning I went for a walk alone. The sky was pink to baby blue. The sight that met my eyes in the daylight also seemed like something out of an animated Christmas film.

Andere waren beim Cross Country Skiing (20€). Ich hatte nachmittags den Besuch einer Rentierfarm gebucht (37,50€). Mit „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ wurden wir im Bus musikalisch darauf eingestimmt. Der Besuch begann mit einer Schlittenfahrt, auf der wir zugedeckt wurden und zu zweit im Schlitten saßen. Wir wurden vor den männlichen Rentieren gewarnt – sollten wir sie im Gesicht berühren, würden sie uns mit dem Geweih davonschleudern. Einige Geweihe sahen blutig aus.
/
Others went cross country skiing (20€). I had booked a visit to a reindeer farm in the afternoon (37.50€). We were musically tuned in on the bus with „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“. The visit started with a sleigh ride where we were covered up and sat two to a sleigh. We were warned about the male reindeer – if we touched them in the face, they would throw us away with their antlers. Some antlers looked bloody.

Mich zog dieses Rentier. / I was drawn by this reindeer.
Los geht’s. / Let’s go.

Die Fahrt hatte etwas Meditatives, wie in einer Wiege wurde ich geschaukelt, so hätte ich durch ganz Lappland reisen können. In Lappland sind Rentierschlitten die traditionellen Transportmittel. Rentiere gibt es dort schon seit der letzten Eiszeit. Huskys kamen erst vor vierzig Jahren hinzu. Beim anschließenden Kinderpunsch auf Rentierfellen in einer Hütte am Feuer erzählte uns ein kräftiger, rotgesichtiger Mann mit Ohrenmütze von den Rentieren.
/
The ride had something meditative about it, I was rocked like in a cradle, I could have travelled all over Lapland like that. In Lapland, reindeer sledges are the traditional means of transport. Reindeer have been around there since the last ice age. Huskies only came along forty years ago. Afterwards, while drinking children’s punch on reindeer skins in a hut by the fire, a sturdy, red-faced man with an eared cap told us about the reindeer.

Im Frühjahr werden sie in die Wildnis entlassen, nach acht Monaten wieder gefangen. Im Sommer laufen in Lappland rund 200.000 Rentiere frei herum, mehr als Menschen. Jeden Tag werden welche überfahren. Rentiere können bis zu 15 Jahre alt werden. Das älteste Rentier der Farm ist 13 Jahre alt. Im Frühjahr wird es ebenfalls zurück in die Wildnis gelassen und dann wird man sehen, ob man es wiederfindet, den Chip im Ohr, der es als der Farm zugehörig kennzeichnet.
/
They are released into the wild in spring and recaptured after eight months. In summer, around 200,000 reindeer roam free in Lapland, more than people. Some are run over every day. Reindeer can live up to 15 years. The oldest reindeer on the farm is 13 years old. In the spring it is also released back into the wild and then it will be seen if it can be found again, the chip in its ear marking it as owned by the farm.

Das älteste Rentier der Farm. / The oldest reindeer on the farm.

Zum Schluss hatten wir noch etwas Zeit mit den Rentieren im Gehege. Da es sich um ruhige Rentiere handelte, durften wir sie streicheln. Allerdings waren sie ein wenig scheu. Die „Babys“ waren zwar nicht mehr ganz klein, aber immer noch süß.
/
Finally, we had some time with the reindeer in the enclosure. As they were calm reindeer, we were allowed to pet them. However, they were a little shy. The „babies“ were no longer very small, but still cute.

Bei der Snowmobile Safari (95€) im Anschluss daran habe ich nicht mitgemacht, aber bei der Aurora Exploration (29€) am Abend mit dem Bus mitzufahren, konnte ich mir nicht nehmen. Außerhalb sollte man die Nordlichter deutlicher sehen als am Vortag in der Stadt. Wir fuhren zu einem See irgendwo im Nirgendwo. Das Sternenhimmelpanorama war unglaublich. Es kam mir vor, als stände ich unter einer riesigen Sternenhimmelhalbkugel. Über dem See waren die Nordlichter erst schwach zu sehen, dann wurden sie stärker. Zwischendurch musste ich mich im Bus aufwärmen, es war an die minus dreißig Grad. Immerhin trug ich die elektrischen Wärmehandschuhe, deren Knöpfe so rot leuchteten wie Rudolfs Nase und auf die mich viele interessiert ansprachen. Und dann, als ich nach einem Aufenthalt aus dem Bus trat, waren die Nordlichter plötzlich unheimlich stark.
/
I didn’t take part in the Snowmobile Safari (95€) afterwards, but I couldn’t resist taking the bus for the Aurora Exploration (29€) in the evening. Outside, you should see the northern lights more clearly than the day before in the city. We drove to a lake somewhere in the middle of nowhere. The starry sky panorama was incredible. I felt as if I was standing under a huge hemisphere of stars. Above the lake, the northern lights were first faintly visible, then they became stronger. In between I had to warm up in the bus, it was about minus thirty degrees. At least I wore the electric warming gloves, whose buttons glowed as red as Rudolph’s nose, and many people spoke to me with interest. And then, when I stepped off the bus after a stop, the northern lights were suddenly eerily strong.

Eine Sternschnuppe fiel.
/
A shooting star fell.

Sonntag / Sunday, 05.12.2021: Husky Safari & Arctic Survival Day

Für die Husky Safari Sonntag Morgen sollten wir uns besonders warm anziehen. Die Hunde waren schon vor die Schlitten gespannt, als wir ankamen. Sie rannten wie auf dem Laufband gegen das Zurückhalten der Leinen, ihnen schien kalt. Vier Leute sollten in einem Schlitten sitzen, ein Mann stand hinten drauf und lenkte. Fünf Kilometer ging es durch den Schnee, gefühlt zehn Minuten, nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz. Die Fahrt ins Morgenlicht machte Spaß und war ein weiteres tolles Erlebnis.
/
For the husky safari on Sunday morning we had to dress extra warm. The dogs were already harnessed in front of the sledges when we arrived. They were running like on a treadmill against the restraint of the leashes, they seemed cold. Four people were supposed to sit in a sledge, one man stood on the back and steered. Five kilometres it went through the snow, ten minutes it felt, not too long but not too short. The ride into the morning light was fun and another great experience.

Anschließend hatten wir kurz Zeit mit den Huskys, wir durften sie streicheln, fotografieren und ihnen beim Futtern zusehen.
/
Afterwards we had a short time with the huskies, we were allowed to pet them, take photos and watch them feed.

Sie sahen alle anders aus. Manche waren hell, andere braun, wieder andere schwarz. Sie waren dünner und kleiner und verschiedener, als erwartet. Zuletzt ging es wieder in eine Hütte, wo wir Tee, Kaffee und Zimtschnecken zum Aufwärmen am Feuer bekamen (uns und die Zimtschnecken, aber das habe ich zu spät mitgekriegt und meine Zimtschnecke kalt verspeist, war auch lecker).
Meine Füße fühlten sich wie Eisklötze an und wurden nicht warm. Es ging zurück in den Bus, der direkt in die Wildnis zum Arctic Survival Day fahren sollte. Bei einem kurzen Stopp in Saariselkä hatten wir die Chance auszusteigen. Manche taten es. Ich blieb sitzen und aß meinen halbgefrorenen Nudelsalat vom Vortag. Ich zog die Schuhe aus und stellte die Füße auf die Seitenleiste, aus der warme Luft kam. Nach 40 Minuten kamen wir in der Wildnis an.
/
They all looked different. Some were light, some were brown, some were black. They were thinner and smaller and more different than expected. Finally we went back to a hut where we got tea, coffee and cinnamon buns to warm up by the fire (us and the cinnamon buns, but I realised that too late and ate my cinnamon bun cold, it was also delicious).
My feet felt like blocks of ice and didn’t get warm. It was back on the bus, which was to go straight into the wilderness for Arctic Survival Day. At a short stop in Saariselkä we had the chance to get off. Some did. I stayed seated and ate my half-frozen pasta salad from the day before. I took off my shoes and put my feet on the side rail from which warm air came. After 40 minutes we arrived in the wilderness.

Warum wird in den Vorstellungen über ein Paradies immer der Schnee ausgelassen? Bestimmt liegt es an der Kälte, der Schwierigkeit des Überlebens. Wir lernten an dem Tag Eisfischen, Feuermachen und wie man ein Tipi baut.
/
Why is it that snow is always left out of ideas about paradise? Surely it is because of the cold, the difficulty of survival. We learned ice fishing, fire making and how to build a teepee that day.

Und wem das noch nicht genug war, konnte abends für 29€ noch eine Schneeschuhwanderung in die Wildnis machen.
/
And if that wasn’t enough, there was a snowshoe hike into the wilderness in the evening for €29.

Montag / Monday, 06.12.2021

Um 10 Uhr mussten wir aus dem Cottage auschecken. Alles sollte geputzt sein. Für den Toilettenputz hatten wir keine Handschuhe. Zwei Männer kamen zur Kontrolle, hier und da mussten wir nachträglich drüberwischen. Danach hatten wir Freizeit, die wir zum Schlittenfahren auf Plastikschüsseln, Kakaotrinken im Supermarkt und Rentierburgeressen nutzten.
/
At 10 o’clock we had to check out of the cottage. Everything should be cleaned. We didn’t have gloves for cleaning the toilets. Two men came to check, here and there we had to wipe over afterwards. After that we had free time, which we used for sledding on plastic bowls, drinking cocoa in the supermarket and eating reindeer burgers.

Um 14:30 Uhr fuhr der Bus Richtung Helsinki ab. Mit dem Gefühl, weit gereist zu sein, kam ich 33 Stunden später im Wohnheim in Vilnius an.
/
At 14:30, the bus left for Helsinki. Feeling like I had travelled a long way, I arrived at the dormitory in Vilnius 33 hours later.

Ein Kommentar

Kommentar verfassen