Psychologie & Therapie

Auswahlgespräch für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten / zur Psychologischen Psychotherapeutin – Fragen & Tipps

Juhu! Ich habe einen Platz an einem Ausbildungsinstitut für Psychologische Psychotherapieausbildung erhalten. (Das ist die Ausbildung, die man nach einem abgeschlossenen Master in Psychologie machen kann, um Therapeut*in zu werden.)

Das Auswahlgespräch war für die Zusage entscheidend. Noten, Lebenslauf, jegliche Zertifikate – angelblich unwichtig. Meine Motivation und persönliche Reife sollten erfasst werden. Vor dem Gespräch hätte ich gerne gewusst, welche Fragen mir dazu gestellt werden würden. Auf ein paar Fragen habe ich mich vorbereitet, aber die meisten kamen überraschend …

Mein erster Tipp für alle, denen ihr Auswahlgespräch noch bevorsteht: Sprecht mit Personen, die das Gespräch schon hinter sich haben. Welche Fragen wurden ihnen gestellt? Was scheint dem Institut wichtig zu sein? Hier lohnt sich auch, die Website des Instituts genau zu lesen. „Meinem“ Institut scheint z. B. wichtig, dass man empirisches Wissen spannend findet und in der Praxis gerne mit theoretischen Modellen arbeiten würde.

Die Infos und Tipps anderer haben mir nicht nur die Aufregung ein wenig genommen, sondern auch geholfen, mich auf das Gespräch vorzubereiten. Mit den „Altgespräch“-Fragen hatte ich einen guten Ausgangspunkt, um im Vorhinein zu reflektieren, wer ich bin und was ich will. Im Gespräch hatte ich dann die für mich richtigen Antworten im Hinterkopf (und kein Blackout).

Für alle, die sich ebenfalls auf ihr Auswahlgespräch vorbereiten möchten, sind dies die Fragen, die mir gestellt wurden:

Was sind Ihre Beweggründe Therapeut*in zu werden?

Warum möchten Sie an dieses Institut?

Was ist Ihnen an einem Ausbildungsinstitut wichtig?

Warum möchten Sie mit Erwachsenen und nicht mit Kindern und Jugendlichen arbeiten?

Möchten Sie provieren?

Haben Sie sich überlegt, wie Sie die Ausbildung finanzieren?

Warum haben Sie sich für Verhaltenstherapie entschieden?

Was ist Verhaltenstherapie und wie unterscheidet sie sich von anderen Therapierichtungen?

Was wird an Verhaltenstherapie mitunter kritisiert?

Welche Rolle nehmen Sie in Gruppen ein?

In welche Patienten könnten Sie sich besonders gut hineinversetzen?

Welches Modell könnte man in einer Therapie mit solchen Patienten anbringen?

In welche Patienten könnten Sie sich weniger gut hineinversetzen?

Was für ein Praktikum haben Sie gemacht?

Was war Ihre Haupterkenntnis des Praktikums?

Was machen Sie in der Zeit bis Ausbildungsbeginn?

Worüber schreiben Sie Ihre Masterarbeit?

Was für Themen/Probleme würden Sie in einer Selbsterfahrungsgruppe anbringen?

Welche Themen/Probleme würden Sie in einer Selbsterfahrungsgruppe nicht anbringen?

Wie würden Sie damit umgehen, wenn Ihnen ein Narzisst selbstbewusst gegenübertreten und Sie beleidigen würde?

Welche Ressourcen nutzen Sie in Krisen?

Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Was sind Ihre Stärken, die vorteilhaft als Therapeut*in wären?

Welche Schwäche haben Sie, die für diesen Beruf eine Schwierigkeit darstellen könnte?

Was treibt Sie an, an Ihnen zu arbeiten?

Haben Sie noch Fragen?

Weitere Fragen, die Bekannten von mir gestellt wurden, mir aber nicht, sind:

Was macht einen guten Therapeuten/eine gute Therapeutin aus?

Wann kamen Sie auf die Idee, Therapeut*in zu werden und wie hat sich dieser Wunsch über die Zeit entwickelt?

Welche Krise/positive oder negative Erfahrung haben Sie in der Kinderheit/Vergangenheit erlebt, die Sie besonders geprägt hat? Inwiefern hat diese Erfahrung Sie geprägt?

Wie würden Sie einem Patienten/einer Patientin Psychotherapie erklären? (Rollenspiel gefordert.) Haben Sie eine Vermutung, weshalb wir Ihnen diese Frage stellen?

Bei all diesen zum Teil recht persönlichen Fragen ist mein zweiter Tipp: Sei du selbst. Es bringt nichts, dir zu überlegen, was die „besten“ Antworten sind, wenn sie für dich nicht zutreffen. Diejenigen, die das Auswahlgespräch führen, merken sicherlich, wer authentisch ist (was außerdem eine gute Voraussetzung für den Beruf ist). Wenn du ehrlich antwortest und sie dich nehmen, hast du bestimmt das passende Institut für dich gefunden. Wenn du dich aber verstellst, wirst du vielleicht genommen, obwohl das Institut gar nicht das Richtige für dich ist.

Und: Benenne deine Schwäche, aber auch den Willen, an dir zu arbeiten. Demut kommt bei Ausbilder*innen in der Regel gut an – schließlich wollen sie lernbegierige Leute ausbilden, denen sie noch etwas beibringen können. Mache dich aber auch nicht klein, sondern stelle klar, was du zu bieten hast und warum du ein guter Therapeut oder eine gute Therapeutin werden kannst (abgesehen von Empathie und dass du gut zuhören kannst, fällt es dir vielleicht auch leicht, Probleme zu strukturieren, Ressourcen zu aktivieren und zielgerichtet vorzugehen). Mache deutlich, warum du Therapeut*in werden willst (nicht nur, weil du gerne mit Menschen arbeitest, bestimmt 😉).

Ich freue mich auf die Ausbildung – und wünsche dir bei deinem nächsten Auswahlgespräch viel Erfolg! 🙂

2 Kommentare

  • Leo Lämpel

    Wow! So ein spannendes und vielseitiges Berufsbild und so ein langer Weg dorthin. Solche Informationen wie diese hier sind mit Sicherheit ein Goldschatz für angehende Berufsanfänger. Umso schöner, dass hier ein Insider aus dem Nähkästchen plaudert und sich über die Berufsanfängerschulter schauen lässt.

    Herzlichen Glückwunsch zum Ausbildungsplatz!

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