Auslandsjahr Vilnius

#43 ESCAPE Camp

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Die „Grand ESCAPE“ ist das größte Camp für internationale Studierende in Litauen, das dieses Jahr vom 13.5. bis 15.5. am See Guostus stattfand. Die FAQs zu dem Trip waren: „Werden wir in Zelten schlafen?“ Und: „Werden wir ein Escape Game spielen?“ Die Antwort auf beide Fragen lautet nein.
In 95€ waren Transport, Unterkunft und alle Mahlzeiten enthalten. Auf der einstündigen Busfahrt unterhielt ich mich mit einer Italienerin über den weißen und grünen Winter in Litauen. Inzwischen glaube ich, dass es hier nur in den beiden Monaten, die ich verpasse – Mitte Juni bis Mitte August – richtig warm wird. Ein paar warme Tage hatte ich auch, aber insgesamt verbinde ich dieses Land mit Kälte, die ich drinnen auf der Nasenspitze und draußen in den Knochen spüre. Auch jetzt noch wird es kaum wärmer als 15 Grad – dem Wetterbericht der nächsten 16 Tage zufolge soll es zwei Wochen lang regnen und am ersten Juni höchstens 8 Grad werden. Cozy meint, es sei der kälteste Frühling, an den sie sich erinnern könne. The climate is messed up.
Auch für das Escape-Wochenende war Regen angesagt. Wir fuhren durch eine hügelige, tiefgrüne Landschaft an kleinen Dörfern und Seen vorbei, die ich jedes Mal für das Ziel hielt, obwohl die Hauptstraße an ihnen vorbeiführte und von der Wildnis die Rede gewesen war. Nach etwa einer Stunde fuhr der Bus über einen Waldweg. Jedes Mal, wenn er einem Schlagloch auswich, dachte ich, wir würden im Graben landen. Nach etwa fünf Minuten erreichten wir den See, bogen an ihm links ab und fuhren weiter geradeaus. Hier waren wir wirklich mitten im Nirgendwo, kein Dorf weit und breit, nur Grün, bedeckter Himmel und Wasser.

Weg zur Ferienanlage Guosta am See Guostus.

An der Ferienanlage Guosta, etwa hundert Meter vom See entfernt, stiegen wir aus. Die Anlage besteht aus kleinen und großen Holzhütten, Bank- und Tischreihen sind überdacht, die Tür zu einer Halle mit Bühne stand offen. Jede*r bekam ein blaues T-Shirt mit der Aufschrift „ESCAPE“, ein Namensschild und ein Bändchen in der Farbe des eigenen Teams. Es gab fünf Teams, ich war in Team Yellow. Aus einer Dose zog ich einen Zettel mit einem mir unbekannten Namen.
Wir wurden zu den Holzhütten geführt, wo wir ein Bett finden sollten. Zuerst schienen alle Betten schon von den Studierenden aus Kaunas und Klaipeda bezogen worden. In einem der hinteren Zimmer ergatterte ich ein letztes Hochbett. Eine Griechin und ein Grieche schnappten sich das Bett, das nicht viel breiter war als meins, unter mir hatte sich eine Japanerin eingerichtet. Ich hätte nicht mit einem Fremden in einem Bett schlafen wollen. Erstaunlich, dass die Griech*innen es hinnahmen, obwohl sie beide, wie aus späteren Gesprächen hervorging, eine*n feste*n Freund*in hatten.
Zur Eröffnungszeremonie versammelten sich die 90 Studierenden vor einer Bühne auf der von Löwenzahn übersäten Rasenfläche hinter der Unterkunft. Das Camp begann mit „Speedfriending“, was nur ein Deckname für Speeddating war. Wir sollten zwei ineinanderliegende Kreise aus jeweils 45 Personen bilden, uns zwei Minuten lang mit einer Person bekannt machen und dann rotieren. Einmal mussten wir nicht nur eins weitergehen, sondern vorher noch eine Runde im Kreis rennen. Ein anderes Mal sollten wir ins Zimmer rennen, um mitgebrachte Drinks zum Anstoßen zu holen. Einige hatten schon im Bus an Bierdosen gehangen. Wir sollten uns ins Gras legen, Kopf an Kopf, und über den Sinn des Lebens sprechen. Der nächsten Person sollten wir liegend die Hand reichen und unsere Vorstellung eines perfekten Dates erläutern. Das habe ich nicht gemacht.
„Du musst das nicht machen“, hat jemand einmal zu mir gesagt, als wir uns bei einer Gruppenübung gegenseitig auf den Rücken klopfen sollten. Ich war dieser Person danach nie wieder so nah, obwohl ich sie anschließend lieber kennengelernt hätte als alle anderen, und bin heute meilenweit von ihr entfernt, aber sie hat mich befreit.
Das Spiel, für das wir einen Namen gezogen hatten, wurde eingeläutet. Wir sollten die Person, die wir gezogen hatten, küssen, ohne dass es jemand mitbekam. Sah es jemand, sollten wir es später noch mal versuchen. Gelang es uns, bekamen wir den Zettel der Person. Ich hatte einen Kroaten mit fettigen, nach hinten gekämmten, langen Haaren und einem Bart, der ihm bis über die Brust reichte, gezogen.
„Ich bin vergeben“, raunte ich einer Freundin zu, die entgegnete: „Na und, ist doch nichts dabei, einfach auf die Jacke.“
Es folgten Wettkampfspiele, bei denen wir Lampen auf dem Gelände zählen, eine Pyramide bilden, Basketballkörbe und Tischtennisbälle in Becher werfen sollten. Anschließend gab es für jede*n vier Pancakes zum Abendessen, wovon offenbar einige nicht satt wurden, die sich ein zweites Mal anstellten; der Nachschub reichte nur für wenige.
Mit der Japanerin aus meinem Zimmer machte ich einen kurzen Spaziergang am See. Die Sonne kam heraus. Ich hatte mein Handy vor der Fahrt ausgeschaltet, aber wurde jetzt schon nach wenigen Stunden schwach. Ich schaltete es wieder ein und schoss Fotos vom See.

Guostus.

Die Japanierin ging zur Ferienanlage zurück und ich setzte mich auf den Holzsteg am Schilf und telefonierte nach Hause. Es fühlte sich an, als bräuchte ich eine Flucht vor der Flucht.

Bierpong hatte schon begonnen, als ich in die Halle kam. Die Musik und hitzige Atmosphäre gefielen mir zuerst ganz gut. Ohne Bier war ich ziemlich gut in Bierpong. Irgendwann wurde es jedoch langatmig und in der halben Stunde Pause bis zur Disco ging ich ins Bett und schaffte es nicht mehr heraus; in der Nacht zuvor hatte ich nur ein, zwei Stunden geschlafen. Das Zimmerlicht brannte bis weit nach Mitternacht. Ich war zu müde, um es auszuschalten und schlief erst, als die anderen zurückkamen.

Am Samstag regnete es. Zum Frühstück um 9 Uhr gab es eine Schüssel Buchweizen. Ein Inder mit blassem, sommersprossigem Gesicht erzählte mir, dass der Großmogul Shah Jahan den tausenden Arbeitern, die das Taj Mahal erbaut hatten, die Hände abhacken ließ, damit es einzigartig bliebe.
Das Programm bis zum Abend war unklar, manche spielten im Regen Fußball. Ich schloss mich einer Gruppe an, die in der Halle mit einem Volleyball Heiße Kartoffel spielte. Fing man den Ball nicht, musste man sich in die Mitte setzen und versuchen, von dort an den Ball zu kommen. Als ich in der Mitte saß, bekam ich den Ball zum ersten Mal ziemlich hart gegen die Brust. Ab dem Moment hätte ich dem Impuls folgen sollen, aufzustehen und das Spiel zu verlassen. Hin und wieder wurde der Ball heftig nach unten gegen die Sitzenden geschlagen. Aber die Gruppe, die mich umschloss, hielt mich in ihrer Mitte. Ich bekam den Ball ein zweites Mal ab – und diesmal gegen die Brille, die mir von der Nase flog.
Zuerst spürte ich nichts. Ich hob die Brille und Gläser auf, die herausgefallen waren. Das Gestell war an zwei Stellen durchgebrochen.
„Alles in Ordnung?“, fragte mich die Organizerin, die mitgespielt hatte, und kniete sich neben mich.
„Es ist nur der Schock“, sagte ich, im ersten Moment unfähig aufzustehen.
Menschen halfen mir dabei und führten mich heraus. Stirn und obere Nase taten weh, bluteten aber nicht.
„Die Brille ist irreparabel“, sagte die Griechin aus meinem Zimmer.
„Wir können sie mit Sekundenkleber zusammenkleben“, sagte die Organizerin.
Ich setzte mich mit dem Türken, der die Brille kaputtgeschossen hatte, der Organizerin und der Griechin draußen an einen Tisch.
„Es tut mir leid“, sagte der Türke, dem das schlechte Gewissen anzusehen war. „Deshalb trage ich Kontaktlinsen.“
„Wie lange hast du die Brille schon?“, fragte die Organizerin.
„Drei Jahre.“ Das stimmte nicht. Ich habe die Brille schon seit Beginn meines Studiums, 2016.
„Dann ist es Zeit für einen Wechsel“, sagte die Organizerin. „Hättest du jetzt gerne etwas Zeit für dich?“
Genau das war es, was ich wollte. Die Griechin begleitete mich und versorgte mich im Zimmer mit winzigen, in Schokolade zu Pilzen getauchten Keksstilen. Ich verkroch mich unter der Decke und weinte. In Litauen habe ich weder Ersatzbrille noch Kontaktlinsen. Für den Fall eines Brillenverlusts bin ich nicht gewappnet. Ich hatte die Brille immer für so selbstverständlich gehalten wie meine rechte Hand. Nun spürte ich eine unerwartete Verwundbarkeit und Hilflosigkeit. Würde ich für den vierwöchigen Rest meines Aufenthalts in Litauen alle schönen und wichtigen Dinge nur unscharf sehen?
Die Griechin brachte mir die Suppe und der Grieche den Hauptgang des Mittagessens. Die kleinen Portionen bekam ich gut herunter. Drei weitere, nette Personen sahen nach mir und erkundigten sich nach meinem Befinden. Schließlich kam eine Organizerin mit Sekundenkleber und klebte die Brille wieder zusammen. Während diese dalag und trocknete, lag auch ich da und trocknete. Der Grieche fragte, ob er mir einen Tee bringen könne. Ich lehnte ab.
An diesem Nachmittag erlebte ich einen Tiefpunkt. Ich lag antriebslos im Bett, hörte depressive Songs und hielt diese Reise für eine schlechte Idee. Ich wollte nach Hause, nach Vilnius, Münster, Wiesbaden, hauptsache irgendein Zuhause. Auslandsaufenthalte werden oft verklärt – man liest häufig nur von den schönen Seiten, der unvergesslichen, bereichernden Erfahrung, die das Studium abroad mit sich bringt, aber eben nicht nur. Manchmal fühle ich mich auch hier niedergeschlagen, habe mehr Stress und Schwierigkeiten, als ich in Deutschland gehabt hätte, und vermisse Menschen schmerzhaft.
Ich raffte mich auf und setzte die Brille auf, die dabei an einer Stelle wieder aufbrach. Die Gläser blieben im Rahmen und ich sah wieder scharf. Es könnte nur eine Frage der Zeit sein, bis das linke Glas wieder herausfällt, aber bisher hält es.
Ich ging in die Halle und schloss mich denen an, die Pappteller bemalten. Ich malte eine Mondlandschaft und ein Reh, das wie eine Mischung aus Mensch und Hund aussah. Zentauren sind vielleicht nur aus der Unfähigkeit des Menschen entstanden, Tiere zu malen.
Ein paar Leute sprachen mich auf die Brille an, jemand bot mir sogar seine Kontaktlinsen an. Es war schön, so viel Unterstützung zu erfahren. Erasmusstudierende halten zusammen. Es ist nicht wie früher in der Schule oder sogar noch an der Uni, wo ich das Gefühl hatte, unter Mitschüler*innen und Kommiliton*innen erst mal bestehen zu müssen. Niemand ist merkwürdig. Unterschiede werden im kulturellen Austausch ebenso geschätzt wie Gemeinsamkeiten. Wir sind eine Gruppe, eine Welt im selben Boot, einem fremden Land.
Der Abend wurde sogar noch ganz schön. Am See wurden Blumenkränze geflochten, wobei ich zusah. Ich spielte mit jemandem „Ramses II.“, das ich als Kind geliebt hatte, aber ähnlich wie „Lotti Karotti“ im Erwachsenenalter zu durchschaubar wird. Zum Abendessen gab es Spaghetti, die bei mir sogar ein Sättigungsgefühl hervorriefen. In der Halle wurde Karaoke gesungen und ein italienisches Lied, das Französ*innen lauthals mitsangen, gefiel mir besonders gut. Ich fragte die Italienierin aus dem Bus, ob sie den Titel kenne, und sie schrieb Sarà perché ti amo auf die Innenfläche meiner Hand. Ein Deutscher spielte Let It Go aus dem Disneyfilm Frozen – drei Versen aus dem Song kann ich nicht zustimmen: „It’s funny how some distance makes everything seem small / And the fears that once controlled me can’t get to me at all“ und „The cold never bothered me anyway“. Das Lied funktioniert trotzdem.
Das Holz für das Lagerfeuer hatte die Form und Größe eines Tipis. Es wurden Marshmallows und Stäbe verteilt. Ganz am Anfang konnte ich mein Marshmallow ins Feuer halten, dann wurde es zu heiß im Gesicht. Ich musste weiter weg treten und kam bald nicht mehr näher als drei Meter heran. Manche bedeckten sich mit Kapuzen und schafften es in der Hocke zu den Flammen, die oberhalb gefährlich schnell mit dem Wind drehten. Eine deutsche Feuerwehrfrau verbrannte sich im Gesicht, der Deutsche, der mir seine Kontaktlinsen angeboten hatte, verlor einen Teil seiner Armbehaarung.
Zeitgleich begann der Eurovision Songcontest, der in der Halle auf Leinwand gezeigt wurde. Ich sah ihn von Frankreich bis Azerbaijan. Bei Norwegens Performance sprang die Hälfte der Zuschauer*innen von den Bänken und tanzte zu „And before that wolf eats my grandma / Give that wolf a banana“ mit. Die Italiener*innen hinter mir sangen das italienische Lied mit, wobei ich nur „amare“ verstand.
„Worum geht’s?“, fragte ich sie und sie entgegneten, tiefgründig nickend: „Um Liebe. Es geht um Liebe.“
Am lautetesten jubelten wir für Litauen. Eine Freundin sagte später, ihr schönster Moment des Trips sei gewesen, als sie und andere sich im Stehen umarmt und das litauische Lied auf Litauisch mitgesungen hätten, ohne Litauisch zu können.

Als ich am nächsten Morgen um 8:15 Uhr aufs Handy sah, hatte gerade jemand in die Gruppe geschrieben, dass das Frühstück um 8 Uhr beginnt. Der Grieche und die Griechin schliefen noch, das Bett der Japanerin war leer. Für das ganze Wochenende hatte es keinen offenkundigen Plan gegeben, oft musste ich andere fragen, wann es Essen gab oder der nächste Programmpunkt begann, und häufig wusste es niemand. Ich sprang aus dem Bett und zog mich an. Im Gemeinschafstbad lag aufgerissen eine der Kondomverpackungen, die uns von den Organizer*innen zugesteckt worden waren. Zum Frühstück gab es Omlette.
Nach dem Frühstück legte ich mich noch mal hin und schlief bis zum Mittagessen um 12 Uhr, zu dem uns mit Fleisch oder Gemüse versetzter Reis ausgegeben wurde. Danach hatte ich immer noch Hunger. Überrascht stellte ich fest, dass die Sonne schien. Ich ging an den See und legte mich zu einigen anderen ins Gras. Zwei hatten Badesachen dabei und wagten sich gemeinsam ins eiskalte Nass. Einer folgte ihnen nackt, was begeistert bejubelt wurde.
„I love you“, rief ihm der Deutsche neben mir hinterher.

Es war schön, dort zu liegen. Ich wünschte, ich hätte es das ganze Wochenende lang tun können. Am liebsten wäre ich liegengeblieben und nicht zur Abschlusszeremonie gegangen, die eine halbe Stunde später begann. Der Löwenzahn nahe der Bühne war plattgetreten. Es wurden Süßigkeitentüten und Urkunden überreicht. Preise gab es für die Extravertiertesten, die Preistitel lauteten etwa „Casanova“, „Redete mit den meisten Personen“, „Tanzte am wildesten“, „King“ und „Queen“. Team Red hatte die Wettkämpfe am Freitag gewonnen und bekam ebenfalls Tüten. Niemand, mit dem oder der ich interagiert hatte, bekam einen Preis. Die Bühne ist etwas für Selbstdarsteller*innen, nichts für mich.
Der Bus nach Kaunas stand schon auf dem Parkplatz. Bevor der Inder mit der Taj-Mahal-Geschichte einstieg, kam er noch einmal zu mir und gab mir die Hand.
„Goodbye, German beauty“, sagte er. „Pass auf deine Brille auf. Ich schreibe dir, wenn ich nach Deutschland komme. Und dann spielen wir Heiße Kartoffel.“

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The „Grand ESCAPE“ is the biggest camp for international students in Lithuania, which took place this year from 13.5. to 15.5. at Lake Guostus. The FAQs for the trip were: „Will we sleep in tents?“ And, „Will we play an Escape Game?“ The answer to both questions was no.
95€ included transport, accommodation and all meals. On the hour-long bus ride, I chatted with an Italian woman about the white and green winter in Lithuania. By now I think it only gets really warm here in the two months I miss – mid-June to mid-August. I had a few warm days too, but overall I associate this country with cold, which I feel inside on the tip of my nose and outside in my bones. Even now it hardly gets warmer than 15 degrees – according to the weather forecast for the next 16 days, it’s supposed to rain for a fortnight and get 8 degrees at the most on the first of June. Cozy says it’s the coldest spring she can remember. The climate is messed up.
Rain was in the forecast for the Escape weekend too. We drove through a hilly, deep green landscape past small villages and lakes, which I thought were the destination every time, even though the main road went past them and there had been talk of wilderness. After about an hour, the bus drove along a forest path. Every time it avoided a pothole, I thought we were going to end up in a ditch. After about five minutes we reached the lake, turned left at it and continued straight ahead. Here we really were in the middle of nowhere, no village for miles, just greenery, overcast sky and water.

Path to the Guosta holiday resort on Lake Guostus.

We got out at the Guosta holiday resort, about a hundred metres from the lake. The complex consists of small and large wooden huts, rows of benches and tables are covered, the door to a hall with a stage was open. Everyone was given a blue T-shirt with the words „ESCAPE“, a name tag and a ribbon in the colour of their team. There were five teams, I was in Team Yellow. From a tin I drew a slip of paper with a name I didn’t know.
We were led to the wooden huts where we were to find a bed. At first, all the beds seemed to have already been taken by the students from Kaunas and Klaipeda. In one of the rooms at the back, I got hold of a last bunk bed. A Greek woman and a Greek man grabbed the bed, which was not much wider than mine, and a Japanese woman had settled in below me. I wouldn’t have wanted to sleep in a bed with a stranger. It was astonishing that the Greeks put up with it, even though, as later conversations revealed, they both had girlfriend and boyfriend.
For the opening ceremony, the 90 students gathered in front of a stage on the dandelion-strewn lawn behind the accommodation. The camp started with „speedfriending“, which was just a code name for speed dating. We were supposed to form two nested circles of 45 people each, get acquainted with one person for two minutes and then rotate. At one point, we not only had to move on one, but run a lap around the circle beforehand. Another time we were supposed to run to the room to get drinks we had brought with us to toast. Some had already been hanging on to beer cans on the bus. We were supposed to lie down on the grass, head to head, and talk about the meaning of life. The next person we were supposed to reach out lying down and explain our idea of a perfect date. I didn’t do that.
„You don’t have to do that,“ someone once said to me when we were supposed to pat each other on the back during a group exercise. I was never that close to that person again after that, although I would have preferred to meet them afterwards than anyone else, and am miles away from them today, but they set me free.
The game for which we had drawn a name was ushered in. We were supposed to kiss the person we had drawn without anyone noticing. If anyone saw, we were to try again later. If we succeeded, we got the person’s slip of paper. I had drawn a Croat with greasy, long hair combed back and a beard that reached over his chest.
„I’m taken,“ I murmured to a friend, who replied, „So what, it’s no big deal, just on the jacket.“
Competitive games followed, where we had to count lamps on the site, form a pyramid, throw basketball hoops and ping-pong balls into cups. Afterwards, we each had four pancakes for dinner, which apparently didn’t fill some of us who queued a second time; there were only enough supplies for a few.
I went for a short walk by the lake with the Japanese girl from my room. The sun was coming out. I had switched off my mobile phone before the trip, but was now getting weak after only a few hours. I switched it on again and took photos of the lake.

Guostus.

The Japanese woman went back to the resort and I sat on the wooden jetty by the reeds and phoned home. It felt like I needed an escape from the escape.

Beer pong had already started when I entered the hall. I liked the music and the heated atmosphere at first. Without beer, I was pretty good at beer pong. At some point, however, it got tedious and in the half-hour break until the disco, I went to bed and didn’t make it out; I had only slept an hour or two the night before. The room light was on until well after midnight. I was too tired to turn it off and only slept when the others came back.

On Saturday it rained. For breakfast at 9 am we had a bowl of buckwheat. An Indian with a pale, freckled face told me that the Great Mogul Shah Jahan had the hands of the thousands of workers who had built the Taj Mahal chopped off so that it would remain unique.
The programme until the evening was unclear, some played football in the rain. I joined a group playing hot potato with a volleyball in the hall. If you didn’t catch the ball, you had to sit in the middle and try to get it from there. When I sat in the middle, I got the ball pretty hard against my chest for the first time. From that moment on, I should have followed the impulse to get up and leave the game. Every now and then the ball was violently knocked downwards against those who were sitting. But the group that surrounded me kept me in their midst. I got the ball a second time – and this time against my glasses, which flew off my nose.
At first I felt nothing. I picked up the glasses and lenses that had fallen out. The frame was broken in two places.
„Are you all right?“ the organiser who had been playing along asked me, kneeling down beside me.
„It’s just the shock,“ I said, unable to stand up for the first moment.
People helped me and led me out. My forehead and upper nose hurt but were not bleeding.
„The glasses are irreparable,“ said the Greek woman from my room.
„We can glue them together with superglue,“ the organiser said.
I sat down at a table outside with the Turk who had broken the glasses, the organiser and the Greek woman.
„I’m sorry,“ the Turk said, his guilty conscience showing. „That’s why I wear contacts.“
„How long have you had the glasses?“ the organiser asked.
„Three years.“ That wasn’t true. I’ve had the glasses since I started my studies, in 2016.
„Then it’s time for a change,“ said the organiser. „Would you like some time to yourself now?“
That was exactly what I wanted. The Greek woman accompanied me and provided me with tiny biscuit sticks dipped in chocolate to make mushrooms in the room. I hid under the covers and cried. In Lithuania, I have neither spare glasses nor contact lenses. I am not prepared for the eventuality of losing my glasses. I had always taken my glasses as much for granted as my right hand. Now I felt an unexpected vulnerability and helplessness. Would I see all the beautiful and important things out of focus for the four-week remainder of my stay in Lithuania?
The Greek woman brought me the soup and the Greek man the main course of the lunch. I got the small portions down well. Three other nice people checked on me and asked how I was. Finally, an organiser came with superglue and glued the glasses back together. While they were lying there drying, I was also lying there drying. The Greek asked if he could bring me some tea. I refused.
That afternoon I experienced a low point. I lay listless in bed, listening to depressing songs and thinking this trip was a bad idea. I wanted to go home, to Vilnius, Münster, Wiesbaden, the main thing was some kind of home. Stays abroad are often glorified – you often only read about the beautiful things, the unforgettable, enriching experience that studying abroad brings, but not only that. Sometimes I also feel down here, have more stress and difficulties than I would have had in Germany, and miss people painfully.
I pulled myself together and put on my glasses, which broke open again at one point. The lenses stayed in the frame and I saw sharply again. It could only be a matter of time before the left lens fell out again, but so far it was holding.
I went into the hall and joined those who were painting paper plates. I painted a moonscape and a deer that looked like a cross between a human and a dog. Centaurs may have only come from man’s inability to paint animals.
A few people approached me about the glasses, someone even offered me his contact lenses. It was nice to experience so much support. Erasmus students stick together. It’s not like it used to be at school or even at university, where I felt like I had to stand out among my classmates and fellow students. No one is strange. Differences are valued just as much as similarities in cultural exchange. We are one group, one world in the same boat, a foreign country.
The evening even turned out to be quite beautiful. Flower wreaths were woven by the lake, and I watched. I played „Ramses II“ with someone, which I had loved as a child but which, like „Lotti Karotti“, becomes too transparent in adulthood. For dinner we had spaghetti, which even made me feel full. There was karaoke in the hall and I particularly liked an Italian song that French girls sang along to loudly. I asked the Italian girl on the bus if she knew the title and she wrote Sarà perché ti amo on the palm of my hand. A German played Let It Go from the Disney film Frozen – I disagree with three verses: „It’s funny how some distance makes everything seem small / And the fears that once controlled me can’t get to me at all“ and „The cold never bothered me anyway“. The song still works.
The wood for the campfire was the shape and size of a teepee. Marshmallows and sticks were distributed. At the very beginning I could hold my marshmallow in the fire, then it got too hot on my face. I had to step further away and soon couldn’t get closer than three metres. Some covered themselves with hoods and made it crouching down to the flames, which were spinning dangerously fast with the wind above. A German firewoman burnt her face, the German who had offered me his contact lenses lost part of his arm hair.
At the same time, the Eurovision Song Contest began, which was shown on screen in the hall. I watched it from France to Azerbaijan. During Norway’s performance, half the audience jumped off the benches and danced along to „And before that wolf eats my grandma / Give that wolf a banana“. The Italians behind me sang along to the Italian song, though I only understood „amare“.
„What’s it about?“ I asked them and they replied, nodding profoundly, „It’s about love. It’s about love.“
We cheered most loudly for Lithuania. A friend later said that her most beautiful moment of the trip was when she and others hugged each other standing up and sang along to the Lithuanian song in Lithuanian without knowing Lithuanian.

When I looked at my mobile phone at 8:15 the next morning, someone had just written into the group that breakfast starts at 8. The Greek man and woman were still asleep, the Japanese woman’s bed was empty. There had been no obvious plan for the whole weekend, I often had to ask others when there would be food or the next item on the programme would start, and often no one knew. I jumped out of bed and got dressed. In the communal bathroom, one of the condom wrappers that had been given to us by the organisers lay torn open. We had omelette for breakfast.
After breakfast, I lay down again and slept until lunch at 12 o’clock, when we were given rice with meat or vegetables. After that I was still hungry. Surprised, I noticed that the sun was shining. I went to the lake and lay down on the grass with some others. Two had bathing suits with them and ventured into the icy water together. One followed them naked, which was enthusiastically cheered.
„I love you,“ the German next to me called after him.

It was nice to lie there. I wish I could have done it all weekend. I would have preferred to lie there and not go to the closing ceremony, which started half an hour later. The dandelions near the stage were trampled flat. Candy bags and certificates were handed out. There were prizes for the most extraverted, the prize titles were something like „Casanova“, „Talked to the most people“, „Danced the wildest“, „King“ and „Queen“. Team Red had won the competitions on Friday and also got bags. No one I had interacted with got a prize. The stage is for self-promoters, not for me.
The bus to Kaunas was already waiting in the car park. Before the Indian with the Taj Mahal story got on, he came up to me again and shook my hand.
„Goodbye, German beauty,“ he said. „Take care of your glasses. I’ll write to you when I get to Germany. And then we’ll play Hot Potato.“

4 Kommentare

  • Norbert

    Eine vielleicht die einzige Geschichte, bei der ich nur Mitleid für Dich empunden habe. Nein, das war nichts fur Dich und ich wäre wohl schon nach 2 Stunden gefahren. Aber, wie heißt es, eine Erfahrung reicher. Danke trotzdem

  • Sabine

    Deine Geschichte im Escape Camp hat mich tief berührt. Ich kenne dich nur als Kind, aber das Meiste, das du dort erlebt hattest, entspricht nicht deinem Wesen. Du bist zwar älter und reifer geworden, aber tief in dir steckt immer noch ein sensibles Wesen.

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