Reisen

Algarve

Kurz vor Vilnius verbrachte ich eine Woche an der Algarve. Danach ging es von Südwesten nach Nordosten, zwanzig Grad Celsius abwärts. Ich hatte Sonne getankt und Licht in Form von Fotos dabei.

Strand Albufeiras.

Mit den Füßen im Atlantik stehen. Der erste Abend am Strand, an dem wir glaubten, Afrika zu sehen. Unser erstes Zimmer lag über der „Vegas Bar“ in einer sehr belebten Straße Albufeiras. Wenn wir gegen die Balkontür drückten, fühlten sich die Bässe von draußen wie ein Erdbeben an. Der Raum vibrierte kontinuierlich. Wir entdeckten, dass ein Handtuch in der Balkontür den Schall ein wenig dämpfte. Irgendwann schliefen wir ein und bekamen nicht mehr mit, ob es gegen vier oder fünf Uhr morgens war, als es ruhig wurde.

Straße, in der wir wohnten.

Der Strand lag um die Ecke. Wir besuchten ihn jeden Abend, nachdem wir uns einmal tagsüber in den Schatten des Schirms gequetscht hatten. Spielten Schach, redeten und wunderten uns über einen wandernden, besonders hellen Stern.

Aussichtspunkt, zu dem eine Rolltreppe führt. (Albufeira)

Mit Bus, Taxi, Zug, Mietwagen und zu Fuß haben wir fast die ganze Algarve abgeklappert, von Sagres bis Tavira. Am ersten vollen Tag haben wir uns ein Taxi nach Carvoeiro genommen, wo wir die Felsküste entlanggewandert sind.

Der berühmte Bogen.
Unser Ziel: Der Leuchtturm.

Mit dem Zug sind wir nach Silves gefahren, durch trockenes Land an ausgedorrten Weinreben und tiefgrünen Orangenbäumen vorbei. Jedem, der noch nicht „Das Orangenmädchen“ von Jostein Gaarder gelesen hat, kann ich dieses zauberhafte Buch sehr ans Herz legen. Silves kam mir gleich vor wie Sevilla (auch wenn ich dort noch nicht gewesen bin) mit seinem Orangenbaumgarten, in dem ein Pferd stand wie der kleine Onkel vor der Villa Kunterbunt:

Im Hintergrund die größte Burg der Algarve.

Das Zugfahren an sich war entspannt. Tickets waren, wenn nicht am Bahnsteig, im Zug erhältlich. Nur der Busfahrer vorher war ein Fall für sich gewesen: Er kam 12 Minuten zu spät, im Bus sahen wir auch, warum: Die Uhr im Bus ging exakt 12 Minuten nach. Wir verpassten den Zug und mussten zwei Stunden in einem Café am Bahnhof verbringen, was sich aber sehr portugiesisch angefühlt hat. Das Käsesandwich war nicht teuer und wir sahen endlich mal Einheimische und keine anderen Touristen. Als wir nach der Zugfahrt und einem halbstündigen Fußmarsch an einer Straße entlang (wobei wir fleißig und vergeblich die Daumen ausgestreckt hatten) endlich in Silves ankamen, war ich trotzdem froh.

Je höher wir kamen, desto schöner wurde die Stadt.
Rathausplatz.

Wir besichtigten die Burg und ein archäologisches Museum. Von den Burgmauern aus hatten wir eine gute Aussicht. Wir kühlten unsere Füße in einer Wasseranlage ab. Später begegnete uns in einer Gasse ein Mann, der mit einem Wasserschlauch die Pflastersteine, sich selbst und uns nassspritzte – sehr nett.

Unsere nächste Tour ging nach Sagres. Wir wollten den Cabo de São Vicente sehen. Dafür brauchten wir einen Mietwagen. Und für den Mietwagen brauchten wir eine Kreditkarte. – Ohne Kreditkarte bekommt man den gebuchten Wagen auf keinen Fall! – Ich hatte zum Glück noch eine im Portemonnaie, die ich mit Anrufen nach Deutschland aktivieren konnte. Wir waren heilfroh, als wir im Mietwagen gen Westen fuhren.

Bei Portimão.

Vor einer Festung kamen wir zum Stehen. Da war Küste. Und Meer.

Rechts ein Teil der Fortaleza de Sagres.

Wir passierten die Festung und dann ging es weiter zu dem kleinen Leuchtturm, der aufs offene Meer zeigte. Der Boden sah hier anders aus, vom nahen Ende der Welt gezeichnet. Ich fühlte mich wie auf dem Mars.

Hinter dem Leuchttum sahen wir die endlosen Weiten des Meeres. Links und rechts und geradeaus nichts als Ozean. Was für ein Fenster der Welt! Auf einem Steinblock war ein Gedicht über das Meer angebracht (auf Portugiesisch und Englisch), das ich vergessen habe, aber sehr schön war. Wir wandten uns der rechten Seite zu, unserem nächsten Ziel, das zum Greifen nahe schien.

Dort hinten winzing der Cabo de São Vicente.

Noch zehn Minuten Fahrt, dann verkündete ein Schild, dass wir angekommen waren – am südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes.

Wir aßen nicht die letzte Bratwurst, aber die letzten Burger vor Amerika, beobachteten Möwen und blickten auf’s Meer.

Am und vor dem Leuchtturm war die Sicht leider nicht gleichzeitig auf beide Seiten des Meeres frei – für einen solchen freien Ausblick sollte man unbedingt zur Fortaleza de Sagres fahren! Aber was wir hier sahen, lohnte sich auf jeden Fall auch.

Anschließend fuhren wir noch einmal in die Stadt. Sagres hat kein Stadtzentrum, aber der Hafen mit den Fischerbooten war auch sehenswert:

An den letzten beiden Tagen fuhren wir nach Tavira, Olhão und Faro. Alle drei Städte fanden wir schön, mir persönlich hat besonders Olhão gefallen – und der nächtliche Blick auf den Flughafen Faros vom Hafen aus.

Tavira: Hübsche, kleinere, touristische, aber nicht massentouristische Stadt (abgesehen von den Flusskrebsen – so viele, wie dort am Wasser entlanggekrabbelt sind, hatte ich noch nie gesehen).
Bei Olhão. Happy Halloween.
Fischmarkthalle Olhãos (ihr Gegenüber sieht genauso aus). Leider hatte sie schon geschlossen, als wir ankamen, aber in dem Café konnten wir ein Krabbenomlette genießen. Angenehm nach fünf Tagen Thunfisch zum Frühstück.
Eine der schönen bunten Gassen Olhãos.
Ausschnitt des coolsten Hauses Faros.
Saudade.

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