Literatur,  Lyrik

Eine flog über den Hühnerzaun

Zaunkönig, baust du Zaungrenzen, dann schneide ich Löcher
oder ich reiße sie ein – Freiheit der wachsenden Brut.
Seidene Hühner, die haben nie fliegen gelernt, denn sie haben
Flügel aus Samt, früh gestutzt. Stutze du selbst, wenn du siehst:
Selbst ist die Henne, sie fand doch tagein und tagaus noch heraus und
ja, mein Herz blutet beim Schaun: Buschhoch baust du nun den Zaun.
Fernab vom Bach, der sie kühlte, die Krallen im Schlamm bei der Hitze.
Dichter und dichter der Draht. Jenseits der Beete und Saat.
Jenseits vom Wald, der sie schützte, die Federn noch trocken im Regen,
scharrend nach Würmern und Trieb. Halme, wie Whitman sie schrieb.
Glücklichste Vögel, sie jagten tagein und tagaus durch den Garten –
aus und vorbei dieser Traum. Hinter den Gittern, im Zaum
halten die Hennen die Mäuse nicht auf, gackern lauter,
da eine cleverer ist: Eine flog über den Mist.

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