Der ultimative Lernplan – Womit du die Approbationsprüfung bestehst
Jetzt steht das Datum des schriftlichen Teils der Abschlussprüfung meiner Ausbildung fest. Dieser Tag im August ist gleichzeitig mein Geburtstag. Da werde ich über einem Fragebogen brüten und hoffentlich 60% richtig kreuzen. In Schulnoten brauche ich mindestens eine 3, um die Approbation zu bekommen und Psychologische Psychotherapeutin zu werden. Im September folgt dann der mündliche Teil mit einer Einzel- und einer Gruppenprüfung, wovor ich noch mehr Respekt habe, aber auch am Tag der schriftlichen Prüfung werde ich ganz sicher keine ruhige Minute verbringen und erst abends feiern können. Hoffentlich.
Ich habe meinen Geburtstag immer schön verbracht. Nur einmal, an meinem 21. Geburtstag, musste ich arbeiten – an meinem ersten Praktikumstag in Hamburg. Krass, wie lange das jetzt schon her ist. Auf jeden Fall musste ich an meinem Geburtstag noch nie für eine Prüfung lernen, geschweige denn eine schreiben. Das habe ich an diesem Datum immer geschätzt. Und überhaupt ist es vier Jahre her, dass ich für eine Klausur gelernt habe. Ich sehe mich schon länger nicht mehr in der Rolle der Auswendiglernenden und hatte mich der Illusion hingegeben, dies hinter mir gelassen zu haben.
Doch die Realität sieht anders aus. Vor mir liegt ein 400 Seiten umfassendes Repetitorium, das ich auswendig lernen muss. Und ich muss sechs ca. 15-seitige Fallberichte schreiben. Ich will. Und merke, dass mich die Prüfungsvorbereitung gerade erschöpft. Ich prokrastiniere auf tintenstiller. Wie ist mir das Lernen und Schreiben von Abschlussarbeiten damals im Studium so leicht von der Hand gegangen? Ich hatte nie eine schlechtere Note als gut, öfter sehr gut und in meiner Erinnerung trotzdem ein ausgeglichenes Unileben.
Trotzdem, oder vielmehr deshalb. Denn eigentlich weiß ich, was der entscheidende Faktor dafür war, dass ich das alles so elegant über die Bühne gebracht habe. Nicht die Freude am Lernen. Nicht Gewissenhaftigkeit oder Intelligenz. Nicht Selbstdisziplin oder mich zum Durchhalten zu zwingen. Kein innerer Kritiker. Selbst die Motivation dahinter, eines Tages Therapeutin zu werden, war es nicht.
Der entscheidende Faktor war für mich ein Zettel, der über meinem Schreibtisch hing.
Auf diesem Zettel hatte ich mit Textmarkern meinen ultimativen Lernplan verfasst. Die Idee dazu hatte ich aus einem Kurs des Hochschulsports, in dem wir gar keinen Sport machten und der „Get positive“ hieß. Den Plan habe ich in keinem Manual mehr gefunden und der Zettel ist wohl im Altpapier gelandet, als ich dachte, ihn nie wieder zu brauchen. Befreiend muss das gewesen sein, ihn zu zerreißen. Jetzt bräuchte ich ihn wieder und er ist nicht da. Aber ich habe noch im Kopf, was darauf stand:

Das Wichtigste beim Lernen sind die Pausen. Und rechtzeitig Feierabend zu machen. In der Therapie nutze ich gerne die „Geschichte vom Holzfäller“, um dies zu veranschaulichen. Die Axt nutzt sich ab, wenn wir sie nicht regelmäßig schärfen. Dann werden wir von Tag zu Tag immer weniger Bäume fällen. Wenn wir aber darauf achten, uns zwischendurch zu erholen und schönen Dingen nachzugehen, bleibt unsere Leistungsfähigkeit erhalten.
Für unsere Leistung und unser Wohlbefinden zugleich ist nicht zuletzt extrem wichtig, genug zu essen. Im Studium habe ich mir ständig Smoothies püriert. Pausen garantieren mir, das Essen nicht zu vergessen.
Ich rufe mir wieder vor Augen: Zeit ist nicht gleich Leistung, irgendwann geht die Kurve wieder nach unten und je länger ich lerne und über meine Bedürfnisse hinweggehe, desto schlechter kann ich mich konzentrieren und desto eher lenke ich mich ab und habe keine Lust und Energie mehr. Das will ich möglichst vermeiden. Dafür war dieser Plan früher super. Und darf es gerne wieder werden.
Ich drucke ihn mir gleich aus. Dann kann nichts schiefgehen.


2 Kommentare
Anonym
Wenn es eine schafft. Dann Du!
Anonym
Wer wenn nicht Du soll das schaffen?
Das bekommst Du auch noch hin und dann fällt alles Schwere von Dir ab …
N