Literatur

Ein Palast mit leeren Betten

In der Verhaltenstherapie habe ich mit Traumdeutung nichts am Hut, aber letzte Nacht habe ich eine Metapher geträumt, die ich deuten kann:

Als Tochter einer kleinen, wohlhabenden Familie und eines einflussreichen Mannes wohne ich in einem Palast am Stadtrand. Die Menschen in der Stadt leben auf der Straße ohne Häuser, höchstens ein Holzdach auf Stelzen über dem Kopf. Ich sehe ihr Elend wie live in den Nachrichten.
Es steht eine Nacht mit extremen Minusgraden bevor. Ich weiß, dass der Luxus meiner Familie an dieser ungewöhnlichen Eiseskälte schuld ist, zu der es fortan häufiger kommen wird. Und ich weiß, dass die Menschen draußen heute Nacht sterben werden, wenn wir ihnen den Schutz des Palastes verwehren. In zwei der Palastsäle stehen zahlreiche leere Betten. Ich versuche, meinen Vater zu überreden, die Menschen ins Haus zu holen, aber trotz der leeren Betten gibt er nicht nach.
Bis hierhin ein Albtraum.
Doch irgendwann erreiche ich mein Ziel, stimme meinen Vater um und die Menschen werden in den Palast gelassen. Es sind so viele, dass wir wie auf einer Party dicht an dicht zusammenstehen und es schön warm im Saal wird. Ich sage meinem Vater, dass er so keine Heizung mehr braucht.

Ich wache mit einem guten Gefühl auf.

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